Es fiel ein Reif, weder Glück noch Stern
Stimmung: gut
Er fiel auf die zarten Blaublümelein,
sie sind verwelket,verdorret.
Ein Knabe hatte ein Mägdelein lieb,
sie flohen beide von Hause fort,
es wussten's nicht Vater noch Mutter.
Sie sind gewandert wohl hin und her,
sie hatten nirgends Glück noch Stern,
Sie sind verdorben, gestorben.
Auf ihrem Grabe Blaublümlein blühn,
umschlingen sich treu wie sie im Grab,
der Reif sie nicht welket noch dörret.
Ein Lied, ein trad. l aus der Zeit von vor 1838, aufgenommen in der Sammlung "Deutsche Volkslieder mit ihren Originalweisen" von Anton Wllhelm Zuccalmaglio um 1840.
Ob dieses Lied auf Tatsachen beruht, wie es damals ja so einige "Küchenlieder" taten?
Oder die Jugend davon abschrecken sollte, aus Liebe von zu Hause wegzulaufen, ich weiss es nicht.
Wenn man allerdings die letzte Strophe liest, "Umschlingen sich treu wie sie im Grab", dann könnte man sich fast wünschen, einer der beiden zu sein. Die aus Liebe wohl wanderten hin und her, nirgends Glück noch Stern hatten, doch letztendlich über den Tod hinaus für immer vereint umschlungen im Grabe liegen.
Der Herausgeber Zuccalmaglio machte sich Gedanken darüber, welche Blüte mit Blaublümelein gemeint war. Er dachte lange an Vergissmeinnicht, aber diese blühen nicht in der Frühlingsnacht, sondern erst im Hochsommer, könnten also nicht erfrieren, wie er einem Freunde mitteilte.
"Zuletzt entdeckte ich, dass die ' scylia bifolia ' die zweiblättrige Meerzwiebel im Siebengebirge Blaublümlein heisst, und dort am Drachenfels, als nördlichsten Standpunkte meines Wissens, im Rheinlande blüht. Und zwar fällt dessen Blütezeit in den April, oft schon in den Februar, so dass ich mich entsinne, diese schöne Blüte vom Reife welk gesehen zu haben..."
Vielleicht geschah diese Geschichte so oder ähnlich ja wirklich im Riesengebirge, am Drachenfelsen. Romantisch hört es sich auf alle Fälle an, diese Ballade der sich "In alle Ewigkeit Liebenden".
Ich mag ja Vergissmeinnicht, diese unscheinbare kleine Pflanze mit ihren vielen kleinen blauen Blütchen die im Winde schaukeln. Sie wachsen bei mir reichlich, säen sich vom Winde immer weiter aus. Nur meine ich, sie blühen auch schon im April.

