Kritische Betrachtungen zur Vergangenheitsglorifizierung

04.03.2015 um 14:14 Uhr

Die Steigerungen von ‚sinnvoll’ zu ‚nützlich’ und ‚hilfreich’

Es gibt in der deutschen Sprache drei Wörter, die nicht allein in den Veröffentlichungen großer Medien beständig vermieden werden, deren Gebrauch indes grammatikalisch verbindlich und aus semantischer Perspektive logisch ist. Ich meine die drei Artikel: der, die, das. Sätze, in denen diese drei kleinen Wörter fehlen, wirken oft gestelzt und suggerieren eine philosophische Tiefe, die den dahinterliegenden Aussagen zumeist leicht abgesprochen werden kann. Es ist zwar durchaus zutreffend, dass man im Deutschen die bestimmten Artikel dann nicht verwenden muss, wenn man verallgemeinernd spricht, das große Ganze meint, einen abstrakten Oberbegriff. Doch selbst dann ist es möglich, wenn auch ungebräuchlich, einen Artikel zu verwenden. Ich möchte mich hier aber nicht weiter darüber auslassen, schließlich habe ich mich vor Jahren bereits ausgiebig hier dazu geäußert. [1]

Es gibt indes leider neben diesen drei geschmähten Artikeln, die ja nur aus jeweils drei Buchstaben bestehen und dem Sprecher oder Verfasser diverser Texte nicht viel abverlangen, drei andere Wörter, die man mittlerweile als äußerst lästige Stilblüten allerorts ertragen muss. Ich weiß noch, dass mir das Aufkommen dieser drei im Sprachgebrauch vor Jahren noch äußerst selten verwandten Worte sogleich etwas merkwürdig vorkam. Beginnen wir mit dem vielleicht noch unverdächtigsten Begriff: sinnvoll. Nun, was ist sinnvoll, vor allem, sinnvoll in welcher Hinsicht? Letztere wird in unzähligen Beispielen gar nicht mehr definiert, sie steht bereits im Vorfeld fest. Der Sinn wird suggeriert und liegt schon im Insistieren auf die Sinnhaftigkeit in der Zielsetzung desjenigen begründet, der davon spricht, dass etwas sinnvoll ist. Wenn im Spiegel Online zum Beispiel eine Überschrift wie die folgende für einen seiner Artikel gewählt wird: „Die Schulverbesserer - Teil 4: Wie sinnvoll ist Sitzenbleiben?“ [2], so wird man nicht allein den Artikel vor dem substantivierten Verb vermissen, sondern zudem die Frage stellen, ob die suggestive Konnotation nicht bereits schon das, was den Sinn als solchen ausmacht, wenn zwar abstrakt, doch als politische Richtung zweifelsfrei klarstellt. Stellen wir die Gegenfrage: Wie sinnlos ist das Sitzenbleiben? Da bei dem Wort ‚sinnlos’ immer gleich die Idee das Abschaffens mitschwingt, welches im obigen Spiegelartikel ein wenig maskiert wurde, darf man seinem optimistischen Pendant hier durchaus eine ironische Note zuschreiben. Wir haben es hier also nicht nur mit einer rhetorischen Frage zu tun, mit Hilfe derer man dem gemeinen Leser des Spiegels jeglichen Zweifel austreiben möchte, sondern zudem mit einer Nuancierung hin zu einem ironischen Sprachverständnis.

Noch problematischer erscheint allerdings die Worthülse ‚nützlich’. Auch hier stellt sich die Frage, wem etwas nützt, zu was es nützt, wie dieser Nutzen definiert ist usw., unmittelbar, diese wird indes als vernachlässigbar und rein rhetorisch übergangen. Man tut schlicht so, als wisse man, dass ein solcher Nutzen generell nach Abwägung aller Möglichkeiten als gegeben betrachtet werden muss. Damit wird zudem behauptet, dass darüber schon ein gemeinschaftlicher Konsens herrsche, wie dies natürlich ebenso für das obige Beispiel, das Wort ‚sinnvoll’, zu konstatieren ist.

Am unerträglichsten und verstörendsten jedoch ist das heute allgegenwärtige Wort ‚hilfreich’. [3] Während der "Sinn" und seine Sinnhaftigkeit im Sinne von "sinnvoll" noch etwas rational Verständliches umschreibt und der "Nutzen" wenigstens noch auf eine praktische Konsequenz hindeutet, verhält es sich bei der Hilfe anders. Bittet man einen Menschen um seinen Rat oder tatkräftige Unterstützung, so ist dessen Hilfe stets auch fassbar. Doch so ist die Worthülse ‚hilfreich’ nicht zu verstehen. Um ihr beizukommen, ist es notwendig, zunächst wieder auf die obigen Erklärungsschemata zurückkommen zu müssen. Der Terminus hat keinen direkten Bezug zu einer Hilfeleistung oder zur Hilfsbereitschaft. Die Konnotationen werden vielmehr ausgenutzt, fast könnte man sagen: ausgesaugt und in einer seichten sowie nebulösen Form als schmeichelhafte, ironische Floskel kredenzt, sowohl der Sinn als auch der Nutzen der hier implizierten Hilfe werden in fast schon verschwörerischer Manier vorausgesetzt und schamlos eine gemeinsame Positionierung in dem entsprechenden Kontext, in welchem das Wort Verwendung findet, behauptet, erwartet, verlangt, ohne, dass die Möglichkeit eines Einspruches gegeben wäre. Denn dann müsste man zunächst auf die verlogene Absicht hinweisen, welche den Adressaten in jedem Falle wie ein Schlag trifft, den zu parieren, ihm die Höflichkeit verbietet.

Weist man sein Gegenüber dennoch darauf hin, so dürfte die Reaktion in einer Vielzahl der Fälle in einer steten Wiederholung des Begriffes liegen, einem Insistieren auf den ja angeblich kongruenten Überzeugungen, welche die Verwendung solcherart Floskeln legitimierte. Wie unscharf diese drei Wörter doch sind, wird denjenigen, der sich in ihnen suhlt, dabei nicht anfechten. Er wird sich ihrer bedienen, um nochmals auf den ach so beiderseitigen Gleichklang der Perspektiven zu verweisen. Die unerbetene Hilfe bezieht sich ganz klar auf den Nutzen, dieser auf einen Sinn und selbiger wiederum auf ein jeweiliges Weltbild. Man kann somit ganz eindeutig feststellen, dass durch den Gebrauch des Wortes ‚hilfreich’ die Unterschiede in den Perspektiven der Menschen auf seichte Weise eingeebnet werden. Wer zum Euphemismus neigt, könnte somit diesen drei Termini insgesamt einen entwaffnenden Charakter unterstellen, da man sein Gegenüber einwickelt und in die eigenen Überlegungen, Meinungen, Haltungen, Positionen unmittelbar verstrickt. Aber genau dies muss als unredlich und unlauter gebrandmarkt werden.

Als Fazit bleibt, wer verstanden werden will, muss sich einer klaren Sprache bedienen, wer sich hingegen der Seichtigkeit öffnet, verleugnet nicht nur die Notwendigkeit einer Debatte um die objektive Richtigkeit von Positionen im allgemeinen, sondern verstrickt sein Denken letztlich selbst in jene unsachlichen Pfade ungenauer, unspezifischer und ungewisser Übereinkünfte, die zu diskutieren, dann nicht mehr anstehen. Die hier betrachteten Termini sind also und in der Konsequenz somit letztlich sinnlos, nutzlos und ihre Apologeten hilflos.

 

Quellen:

[1] http://www.blogigo.de/thueringen_im_sueden/Eine-Lanze-fuer-den-bestimmten-Artikel-Warum-sich/151/

[2] http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/sitzenbleiben-wie-sinnvoll-ist-die-ehrenrunde-a-993808.html

[3] Es ist schon sehr bezeichnend, dass man via google.de 5.240.000 Treffer für das Wort „hilfsbereit“, aber ganze 56.200.000 Treffer für die Floskel „hilfreich“ findet. Kommen also auf einen hilfsbereiten Menschen mehr als 10 gehirngewaschene Euphemisten? Eine provokante Frage, könnte man meinen, doch allein eine achtstellige Anzahl ‚hilfreicher’ Websites sollte doch für einige Bedenken hinreichend genug sein.


06.01.2015 um 17:46 Uhr

Eine Randnotiz zur Einordnung

Die Konsequenzen aus den Ereignissen des vergangenen Jahres mögen für den einzelnen Bürger in Deutschland noch nicht spürbar sein. Dennoch muss man sagen, dass die damit einhergehende Lähmung des Verstandes bereits Spuren hinterlassen hat. Wer es versäumte, sich mit den politischen Entscheidungen und deren Hintergründen zu beschäftigen, wird indes bald feststellen müssen, seinen Nachholbedarf nicht mehr stillen zu können, obzwar es auszuschließen ist, dass irgendwer die Zusammenhänge wirklich in einem Umfang versteht, der es erlaubt, Antworten geben zu können, Antworten, die der Mensch braucht, dringend benötigt, um seinen Platz in dieser Welt beurteilen zu können. Wir sind gewissermaßen zu hilflosen Statisten einer Abfolge von Geschehnissen geworden, die wir aus sich heraus nicht mehr einfach so abzuleiten imstande wären, von den dahinterstehenden Intentionen gar nicht erst zu reden. Zwar kann man einige Fakten sammeln und diverse Zusammenhänge erschließen, aber vieles bleibt unbeantwortet.

Das vergangene Jahr war geprägt von einer NATO–Intervention in der Ukraine, selbige von langer Hand geplant und nunmehr teilweise bereits ausgeführt. Aus dieser simplen Tatsache heraus reiften nun binnen eines Jahres unterschiedliche Überlegungen diverser Menschen, die ihre Meinung hierüber im Internet kundgaben. In der Konsequenz bleibt eine ratlose Masse zurück, die sich vor allem dann, wenn sie sich der Pentagonstrategie ( Quelle 1, Quelle 2 ) nicht bewusst ist, nun einen Reim auf die gegenwärtige Politik machen muss. Selbst wer sich nicht für Politik interessierte, musste nun feststellen, dass sich diese Politik für ihn interessiert. In diese Melange wurde zuletzt noch über eine Antiislambewegung eine weitere irritierende Zutat gegossen, deren Ziele wohl in der Erneuerung des innerdeutschen Ost–West–Gedankens, der Ablenkung von den drängenden Problemen der Weltpolitik und vor allem der Aufbesserung des Rufs sämtlicher Mainstreammedien besteht. Pegida ist ein kluger Schachzug, ein Vorstoß am anderen Flügel, eine Ablenkung, die kühl berechnet worden ist und als verzweifelter Rettungsversuch hinsichtlich der öffentlichen Meinung den Politikern wie auch den Medien als Vehikel dient, in dem man zwei gekaufte Boxer in einem abgekarteten Spiel gegeneinander antreten lässt.

Jeder halbwegs intelligente Mensch müsste sich fragen, wieso es den sogenannten Montagsmahnwachen nicht möglich ist, mehr als 4.000 Menschen aus dem Bundesgebiet vor das Schloss Bellevue zu bringen, wenn es zur selben Zeit gelingt, über 15.000 Demonstranten in Dresden auf die Straße zu holen, um gegen etwas zu protestieren, was in keiner Weise als aktuelle Problematik verstanden werden kann. Messerstechereien unter arabischen Jugendlichen gibt es seit Jahren, Überfälle und Drangsalierungen, all dies ist kein neueres Phänomen, eher im Gegenteil scheinen die Zahlen diesbezüglich sogar zurückzugehen. Aber war es nicht in Dresden, wo Frau Merkel im Landtagswahlkampf ( siehe Video ) heftig angegriffen wurde? Wollte man sich dafür revanchieren oder einfach nur die Stadt Dresden brandmarken?

Noch ein weiteres Problem besteht allerdings, was oben bereits kurz angerissen wurde. Es besteht bei allen Kritikern, welche im vergangenen Jahr auf den Plan gerufen wurden, immer auch eine private Neigung, die in eine Verflechtung von Themen mündete, welche stets einen irritierenden Beigeschmack aufwies und damit neue Fragen aufwarf. Die faktischen Ungereimtheiten waren das eine, die Interpretationen durch Menschen, die wiederum nicht frei waren von eigenen Überzeugungen gänzlich anderer Art, kamen indes hinzu und so behindern sich weiterhin die notwendigerweise hervorgebrachten Erklärungsansätze gegenseitig, weil ihre Urheber selbst einen teils kommunistischen, teils schlicht antiamerikanischen Grundansatz bereits vor Jahren vertraten, nun aber eine Gelegenheit bekamen, diesen en détail zu begründen, es aber leider mit Lösungen weitertrieben auf eine Spitze, die oft ihrem Anspruch nicht gerecht werden konnte. Man findet die realistischsten Einschätzungen zur weltpolitischen Lage demzufolge tatsächlich in jenen Blogs, die sich nicht durch eine langfristig bereits bestehende linke Ausrichtung auszeichnen, sondern geradewegs in jenen, die aufgeschreckt durch das Fallenlassen der diplomatischen Maske, nunmehr die kriegstreiberischen Ziele der amerikanischen Politiker beim Namen nennen, ohne dabei auch nur ansatzweise in eine nostalgische Marxismuslaune zu verfallen. Beispiele hierfür sind die oben genannten Quellen. Es geht in solchen Zeiten nicht darum, sich zu positionieren, sondern zu erkennen, was geschieht.

Dazu muss jeder von uns Bürgern sich über seine eigenen weltanschaulichen Obsessionen klar werden, um zu einer bodenständigen Rationalität zurückzukehren. Wer ein anderes Leitbild aus dem Ärmel zieht und damit seine Argumente unterstreicht, entkräftet seine zuvor getätigten Aussagen zwar nicht, aber entwertet sich als Persönlichkeit, und ist damit auch keineswegs mehr dazu geeignet, diesbezüglich andere zu überzeugen, so als gäbe es nicht schon genug Zweifelhaftes und Scheinheiliges in den zu recht gescholtenen Mainstreammedien.


16.10.2014 um 13:11 Uhr

Wenn der Bürger resigniert, triumphieren die Ideologen.

Es ist ein seltsames Phänomen. Angesichts einer weltweit dramatischen Lage, welche vor einem Dreivierteljahr noch nicht vorstellbar schien, sind viele Menschen in diesem Land vielleicht zu weiten Teilen vernünftig genug, um die wahren Schuldigen an den kriegerischen Konflikten auszumachen, die sich wohl in einem fünfeckigen Gebäude, südlich der amerikanischen Hauptstadt gelegen, täglich zu ihren verhängnisvollen Debatten einfinden. Da man indes auf die öffentlich–rechtlichen Medien und die großen Zeitungen, die privaten Fernsehsender usw. nicht mehr zurückgreifen kann, um sich über die momentanen Zustände zu informieren, bleiben nur diejenigen alternativen Medien, welche zumindest objektiv über diese Situationen berichten. Andererseits fällt auf, dass auch hier der ein oder andere Unterton mitschwingt, der bereits auf eine andere, altbekannte Ideologie schließen lässt. Wie kann dies sein, fragt sich der geneigte Leser und hebt dabei auf seinen eigenen Verstand an, der ihm sagt, dass der neuerliche Ost–West–Konflikt sich doch deutlich vom früheren absetzt, denn das heutige Russland ist schlussendlich ein marktwirtschaftlich ausgerichteter Staat, also haben logischerweise die alten Begriffe aus der Zeit, als es den Kommunismus noch gab, komplett ausgedient.

Man bekommt indes den Eindruck, als ob die Gegnerschaft aus der Zeit des ersten Kalten Krieges immer noch bestünde. Wären da nicht die konservativen Blogger innerhalb der alternativen Medien, man könnte die Ukrainekrise beinahe übersehen. Denn wer glaubt schon einem Kommunisten, der das heutige Russland mit der UdSSR verwechselt? Vielleicht ist dies auch der Schlüssel zum Begreifen der Mentalität all der anderen, welche aus dem Fundus einiger großer Bekleidungsketten, die dort neuerdings feil gebotene Armeekleidung eiligst erwerben, um ihrer Natointegration Ausdruck zu verleihen, wer weiß? Man wagt den Kopf beim Anblick solcher Tarnhosenträger schon gar nicht mehr zu schütteln, auf dass er nicht anfange, noch mehr weh zu tun. Allein die Gedanken darüber sind zermürbend genug. Und eine berechtigte Frage unter so vielen anderen drängt sich auf: Sind die Menschen wirklich so dumm? 

Und während die einen ihrem Natofetisch freien Lauf lassen, sehnen sich andere in die heile Welt des Kommunismus zurück, haben sie doch nun endlich ihre passablen Argumente gefunden, die US–amerikanischen Kriegstreiber liefern sie ihnen frei Haus, sagen sie zumindest, meinen sie vorzugeben. Doch wer sich allzu leichtfertig einer historischen Bipolarität hingibt, zeigt nur seine Leichtgläubigkeit und offenbart sich als intellektuelles Leichtgewicht.

Wer den Kommunismus noch kannte, weiß um seine wirklichen Eigenschaften, weiß um die Erniedrigungen und die Konsequenzen, welche für sich jeden Menschen ergaben, so man nicht laut genug die Lieder mitsang, die tagein tagaus die Ohren betäubten. Mancher hatte vielleicht damals einen betäubten Verstand, aber 24 Jahre danach immer noch?

Am unerträglichsten geben sich dabei heute jene Zeitgenossen, die sich stets zu einem Vergleich der Systeme hinreißen lassen und hierzu die Bespitzelung durch den MfS und der der NSA miteinander in derart geschmackloser Weise abwägen, dass sie nur allzu schnell zu dem Schluss zu gelangen, erstere sei im Vergleich zu letzterer doch noch relativ harmlos gewesen, nur um dann vollständig von jeder Schuldzuweisung gegenüber dem Geheimdienst der DDR Abstand zu nehmen. Das Spiel ist leicht durchschaut, abenteuerlich allemal und beleidigt die Opfer des kommunistischen Regimes. Warum aber überhaupt die Gegenüberstellung? Ihr einziger Zweck ist offenkundigerweise die Verherrlichung einer Diktatur, vielleicht noch gespickt mit einem deftigen Spott gegenüber allen, von denen man meint, dass sie nunmehr entwurzelt sein müssten. Und in diesem Sinne geht es dann meist weiter, man nimmt die Auswüchse der letzten 15 Jahre, die wahrlich imperialen Eroberungszüge der USA und ihrer Vasallen, die immer klarer zum Vorschein tretenden faschistoiden Züge der westlichen Welt, um ein völlig anderes und komplett windschief zum unsrigen heutigen stehendes politisches System zu rechtfertigen.

Hierzu muss man wissen, dass ein Kommunist eben immer noch als Kommunist denkt, für ihn war die Diktatur eben keine, weil er sein Parteibuch als Persilschein immer dabei hatte. Für ihn war die DDR kein Gefängnis, wohl aber die Marktwirtschaft ein passables Feindbild. Nachdem es letztere nun fast auch nicht mehr gibt und an ihre Stelle ein neoliberaler Turbokapitalismus getreten ist, meint man, die Zeiten Adenauers, Ehrhards und Brandts verdrängen zu dürfen, ungeachtet der Tatsache, dass gerade in diesen Jahrzehnten ein wirtschaftlicher Aufbruch möglich war, der heute zugegebenermaßen auch durch das Fehlen billiger Importe aus den kommunistischen Staaten nicht mehr vorstellbar ist.

Sagen wir es ganz offen, alle diese „Systeme“ sind von ihrer Art her als jeweils grundproblematisch einzustufen. Wer wirklich an die Wurzel des Übels heran möchte, der kann keine der vorangegangenen Ideologien als Lösung für unsere heutigen Probleme propagieren. Dennoch erscheint die soziale Marktwirtschaft als das beste all jener „Systeme“, allein ihr spürbarer Niedergang ist kein Zeichen ihrer Schwäche, sondern auf das Wirken anderer Kräfte zurückzuführen. Unternehmen und Händler gab es schon vor der Erfindung politischer Systeme, und erst die Etablierung widernatürlicher Strukturen innerhalb der sozialen Marktwirtschaft war es letztlich, die den Menschen nun an der Entfaltung seiner Persönlichkeit hindert. Natürlich ist dies auch für Kommunisten nicht zu schwer zu verstehen. Aber sie wissen, wer die Fäden zieht, sitzt am längeren Hebel, ob im Politbüro oder an der Wall Street, die Namen der Orte der Macht sind beliebig austauschbar, man sieht es an den russischen Oligarchen, die sich aus den Kreisen der KPDSU speisend, nach 1992 in ganz anderer Gesellschaft wiederfanden. So etwas blendet der geneigte Kommunist aber nur allzu hektisch gegenüber jedem Verteidiger der marktwirtschaftlichen Idee aus.

Die Frage ist auch, wie man unter radikal Linken die Tatsache beurteilt, dass an der Spitze unseres Staates ein Präsident, eine Kanzlerin und ein Oppositionsführer stehen, die jeweils in ihrem früheren Nebenberuf die Bezeichnung IM trugen. Ihnen erscheinen vor allem die ersteren beiden als Opportunisten, nicht als Systemlinge des Kommunismus. Und wenn sie heute den Untergang des neoliberalen Systems proklamieren, so setzen sie gedanklich an dessen Stelle schon wieder den Kommunismus oder etwas diesem vergleichbares, ungeachtet dessen, dass es gerade einmal 25 Jahre her ist, als man in trister Enge der alltäglichen Verlogenheit genau jenem Regime trotzen musste. Die Vergleiche zwischen den Systemen sind müßig, die Einschränkungen unter der Doktrin des Marxismus disqualifizieren diesen schlicht in alle Ewigkeit. Selbst für den Fall, dass morgen ein neuer General Franco ganz Europa beherrschen würde, blieben sie schuldig, die Parteigänger der SED.

Was soll man in diesem Zusammenhang davon halten, dass nun das große innenpolitische Ziel der Massenmedienvertreter endlich erreicht ist? Sie haben ihren kommunistischen Ministerpräsidenten in Thüringen bekommen. Wenn aber die CDU nicht mehr die Partei Ehrhards oder Kohls ist und wenn die Mitglieder der SPD nicht mehr auf ihre Altkanzler hören wollen, aus den Grünen gar eine Kriegspartei geworden ist, wenn niemand mehr Vertrauen in irgendeine staatliche Institution hat, wen will es wundern, dass die Altkommunisten und ihre Nachkommen, von denen es reichlich gibt, ihrer Version des Faschismus wieder freien Lauf lassen können?

Die Resignation ist nie ein guter Ratgeber. Aber resigniert haben einige Menschen, obwohl es natürlich letztlich ihre eigene Schuld ist. Vor drei Jahren versuchten ein Freund und ich, eine Partei zu gründen, um dem Unmut einen Ausweg zu bahnen, um der Perversion ausweichen zu können, die in der schieren Unmöglichkeit liegt, eine der vorgezeichneten politischen Richtungen akzeptieren zu können. Es war trotz einiger Bemühungen und vielem gutem Zureden zum Scheitern verurteilt. Zu links, zu konservativ, kein roter Faden, waren die Argumente. Aber der Fehler all jener Fatalisten war es gerade eben, letztlich in Systemen zu denken, ein Ansatz, den es eigentlich zu überwinden gilt.



20.09.2014 um 16:34 Uhr

2014

Als ich vor sechs Jahren mit diesem Blog begann, war ich der Überzeugung, mir über diverse Skurrilitäten in der Presse, zunächst hinsichtlich des damals bereits obsoleten Ost–West–Themas Luft machen zu müssen und darauf hinzuweisen, in welcher verkehrten Welt der gemeine Journalist lebt. Nun ja, wenn man die Geschehnisse des letzten halben Jahres betrachtet, so kommt man nicht umhin, festzustellen, dass es sich bei selbiger Neigung wohl um eine pathologische handelt. Die Ursache hierfür schien mir immer in dem Problem zu liegen, welches sich aus der Unfähigkeit ableitete, den Gegebenheiten des vereinigten Deutschlands wirklich Rechnung tragen zu wollen. Doch dies war ein großer Irrtum. Man kann eine gewisse Zeit irren, muss sich aber stets auch selbst hinterfragen und wird so zu wichtigen Einsichten gelangen, zumal sich der gemeine Journalist den ganzen Tag mit seiner Haltung und der damit korrespondierenden Verantwortung beschäftigen kann, nein, muss.

Dies jedoch gilt nur eben für Menschen, die sich des Begriffs der Verantwortung bewusst sind. Man kann sich natürlich darüber aufregen, dass der eine oder andere Schreiberling großer Zeitungen beispielsweise durch die Gehirnwäsche der ubiquitär in der Republik verteilten Coachs hingibt und dadurch seinen Verstand verloren hat. Man kann sich über die Kalten Krieger aufregen, die selbst im Jahre 2014 noch das Land aus der Perspektive von 1989 betrachten, aber kann man wirklich noch von schlafwandlerischer Dummheit sprechen, wenn man die Presse seit dem Frühjahr verfolgt?

Solange eine solche Verklärung nur das eigene Land betrifft, mag man sich ärgern, wundern darüber, dass sich einige Nichtsnutze in den majestätisch über unseren Großstädten thronenden Zeitungshäusern einem narzisstisch-hedonistischen Selbstentfremdungswahn hingeben. Die vermittels ihrer täglichen Praxis selbiger Obsession in den Hirnen unserer Massenmediengestalter festgefressenen Exkremente ihres Tuns haben indes ein Siechtum der besonderen Art hervorgebracht. Der gemeine Journalist hat sich vom Bürger losgesagt, der Prozess dieser bei letzterem verursachten Enttäuschung ist seit längerer Zeit im Gange. Kaum jemand hat in der heutigen Zeit noch ein Abo einer beliebigen Zeitung, der Bürger hat vor dem Monstrum, zu welchem die vereinigte Staatsmedienwelt mutiert ist, längst resigniert. Und es ist tatsächlich eine vollumfängliche Resignation, eine tiefe und verstörende Ohnmacht, die der einzelne erlebt und sich nunmehr ausschließlich über unabhängige, freie Medien informiert, so er das Spiel durchschaut hat.

Ist es da überhaupt noch von Nöten, nach diesem Maßstab kleinere Verfehlungen wie die innerdeutsche Ostwestfixierung zu beanstanden? Selbige ist letztlich wohl doch nur ein Mittel, Teil einer Taktik, die Leser zu spalten und gegeneinander aufzubringen, wenn es darum geht, eine im Werden begriffene Grundüberzeugung zu stören, deren Erkenntnisgewinn für den einzelnen Menschen im Widerspruch zu den Zielen derer steht, welche die weltanschauliche Position der Massenmedien vorgeben.

Gerade in Zeiten wie den heutigen ist also ein wirklich kritischer Blick auf die Fakten unerlässlich. Somit ist auch der Autor dieses Blog in den vergangenen Monaten mehr und mehr wieder zum Leser geworden. Um sich die Zusammenhänge nach und nach zu erschließen, welche obschon offensichtlich in den Massenmedien falsch und zudem verkürzt wiedergegeben werden, so doch in einigen alternativen Blogs teils gut recherchiert nachlesbar sind, kommt man um ein weitreichendes Studium diverser Quellen nicht herum.

Am Ende bleibt man verängstigt ob der großen Zahl an Menschen in diesem Lande, welche sich unbekümmert geben und in keiner Weise um die Zukunft besorgt zeigen, sich vielmehr dem üblichen Tagesgeschäft hingeben und nur widerwillig überhaupt die Themen unserer Zeit diskutieren wollen.

Sie sind die Optimisten, denen es gar nicht mehr einfällt, an der Beständigkeit der Welt zu zweifeln, einer Welt in der sie täglich leben, die sie hinnehmen und darauf vertrauen, dass sie auch morgen noch die gleiche sein wird. Sie stecken den Kopf in den Sand und glauben, dass ihnen dieser nicht um die Ohren fliegen wird. Und sie scheinen die Mehrheit zu sein. Sie lesen zwar keine Zeitungen mehr, aber dafür schauen sie noch fern oder lenken sich ab, zwischen Smartphone und Straßenbier jedenfalls bleibt nur wenig Platz für die nötige Kontemplation, die Erkenntnis, dass wir von Wahnsinnigen regiert werden und deren Hofberichterstattern in die Irre geleitet.

Hier also noch Bezug zu nehmen auf eine sogenannte Tagespolitik ist somit fast schon obsolet, gar Empfehlungen zu geben bei Landtagswahlen, zu welchen die etablierten Parteien immer noch von fast der Hälfte derjenigen gewählt werden, die in der Vergangenheit ihren 18. Geburtstag feiern konnten und somit als erwachsen gelten. Dabei gibt es doch für jede der in den Parlamenten vertretenen Parteien ein Pendant im Bereich derer, die ihre Probleme damit haben, überhaupt mehr als ein Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen. Nun ja, mancher freut sich halt, wenn er unter den vielen ist, wenn am Wahlabend die Verteilungsdiagramme im Fernsehen gezeigt werden und man weiß, bei einem der längsten Balken ist man selbst mit dabei. Nur gewonnen hat man eben leider nichts, das gilt nur für diejenigen, denen man ein „X“ in den Kreis gezeichnet hat. Die Wahlverweigerer haben gleich das Ergebnis selbst gewählt, da es ihnen egal ist, haben sie generell jeder Zusammensetzung des neuen Parlaments zugestimmt und ihre Stimme damit brav geteilt, prozentual.

Aber zurück zur aktuellen politischen Situation: Wenn man sich darüber im klaren ist, dass seit spätenstens Ende April 2014 jedem interessierten Bürger die Fakten einen Strich durch seine arglose Haltung gegenüber der Bundesregierung gemacht haben müssten, ist bereits das Ergebnis der Europawahl nicht mehr nachvollziehbar. Verständlich sind die Stimmen für die AfD, wobei nur der letzte der sieben Abgeordneten letztlich wirklich gegen die Russlandsanktionen stimmte, während die ersten drei sie unterstützten, die anderen sich enthielten. Nun kann man darüber vielleicht enttäuscht sein, sollte dann jedoch nach weiteren Alternativen suchen, welche es auch bei Landtagswahlen immer gibt. Interessant ist, dass viele der erklärt pazifistischen Parteien zur Europawahl keinen Sitz erlangten, dafür aber die affektiertzynische Sonneborn–Titanic–„Partei“. Klingt eine solche Einschätzung angesichts der kriegstreiberischen CDU&SPD&Grünen–Politiker im Bundestag zu hart? Nein, denn der Zynismus einer von vielen Landsleuten akzeptierten Humorinstitution wie der Titaniczeitung dürfte geradewegs ins Horn der neoliberalen Chauvinisten vom Schlage Gauck und Co. blasen.

Und genau dieser Chauvinismus ist es, der uns als Bevölkerung lähmt, denn verstanden haben es zwar vielleicht fast alle, und doch gehen viel zu viele einer Diskussion aus dem Weg. Man will es nicht wissen, vielleicht gerade weil es so eindeutig ist, der Machtwechsel in der Ukraine von der Nato, den USA, dem Pentagon gemacht usw., ein malaysisches Flugzeug von den Truppen Kievs abgeschossen, Russland in die Schuhe geschoben, Sanktionen auf Druck der USA betrieben usw. usf. Alles ist genügend belegt und doch sind da die Reflexzuckungen einiger, die sich immer noch nicht vorstellen mögen, was gerade hier und heute, in diesem Jahr, in unserer Zeit vor sich geht. Die Schlussfolgerung ist klar: Wer den Politikern, den Journalisten und all denen, welche in den Lügenmärchen der Nato ihr Heil gefunden haben, ihre Verantwortungslosigkeit nicht mehr vorhält, agiert selbst verantwortungslos.


31.12.2013 um 14:53 Uhr

Der Grund für die längere Pause

Es dauerte einige Monate, alle Gedanken zusammenzufassen, zu ordnen und in einen hoffentlich einigermaßen logischen Zusammenhang zu stellen. Meine Versuche, hier auf diesem Blog dem NLP gerecht zu werden, konnten naturgemäß nicht ausreichen, um sich der Thematik insgesamt soweit zu nähern, dass daraus eine breite Debatte entstehen konnte.

Nun hoffe ich, dass dies durch mein nunmehr erschienenes Buch möglich ist. Sicherlich werden dem regelmäßigen Leser dieses Blogs viele Aussagen bekannt vorkommen, andere sind im Laufe der Recherche neu hinzugekommen. Vieles ließ ich indes aus, da es mir vorrangig um die Sensibilisierung der Bevölkerung ging. Sicherlich gibt es zahlreiche Psychologen und Psychoanalytiker im Lande, die sich werden fragen lassen müssen, warum sie nach meinem Wissensstand dieses Thema nicht in einer skeptischen, kritischen und vor allem analytischen Monographie jemals aufgegriffen und bearbeitet haben.

Vielleicht war es sogar notwendig, dass ein branchenfremder Autor zuerst den Weg hin zu einer Diskussion bereitete und damit den Fachleuten auf dem Gebiet der Psychologie eine geschriebene Antwort abnötigt. Möglicherweise ist die Angst vor der eigenen Diskreditierung der Grund gewesen, warum es bisher niemand wagte, entgegen den schönfärberischen Publikationen, öffentlich und unmissverständlich eine andere Haltung einzunehmen. Wenn dem so ist, dann besteht nunmehr die Gelegenheit, sich zu Wort zu melden.

Hierzu ist es natürlich wichtig, dass dieses Buch von den betreffenden Leuten auch gelesen wird, dass sie Notiz davon bekommen, dass man es ihnen vielleicht einfach mitteilt. Im günstigsten Falle würden somit nun einige erfahrene Autoren zu Werke gehen, während meine Publikation derweil erst verrissen wird, um dann in der Versenkung zu verschwinden.

Eine solche Diskussion muss also zunächst angestoßen werden. Und somit musste jemand einen Anfang machen, den ersten Schritt wagen, die Auseinandersetzung in die Buchläden tragen. Dieser Weg ist nun gegangen, die weitere Beurteilung obliegt den Lesenden und vor allem denen, welche aus dem vorliegenden Buch ihre Konsequenzen ziehen.

Zu bestellen ist es unter anderem bei folgenden Onlinehändlern, aber auch bei vielen anderen und in gedruckter Form natürlich auch in jeder Buchhandlung:


NLP – Eine Ideologie des 21. Jahrhunderts

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24.01.2013 um 21:48 Uhr

Eine NLP–Studie aus ihren eigenen Reihen

von: catulus   Kategorie: andere Ideologien   Stichwörter: NLP, Facebook, Studie, Psychologie, Spiegel, Online, ZDF

Sucht man im Netz nach der Phrase unabhängige Studien haben gezeigt, so findet man „ungefähr 5.570.000 Ergebnisse“ ( 24.01.2013 ), was darauf hindeutet, dass es eine Menge unabhängige Studien gibt, aber kaum, wie „unabhängig“ diese in der Realität sind. Die Erfahrung lehrt, dass man stets auf der Hut sein sollte, wenn jemand sein Vokabular mit wissenschaftlichen Attitüden aufbläst. Welche Aussage wie glaubwürdig ist, beweist kein Titel und kein noch so renommierter Ruf.

Wer sich auf Studien verlässt, ist gewissermaßen schon verlassen. Es mutet seltsam an, aber was sind eigentlich „unabhängige Studien“, über welche es stets in der Presse heißt, sie „haben gezeigt, dass“ irgendetwas so oder so sei?

Interessant erscheint hierbei ein Aufruf einer Berliner Psychologiestudentin und NLPistin, welche tatsächlich eine ganz eigene Studie über NLP in ihre Abschlussarbeit einfließen lassen möchte. Dafür geworben wird auf der Facebookseite des DVNLP ( Deutscher Verband NLP ).

Facebook - DVNLP - Konkol - Studie[1]

Man erkennt vielerlei interessante Aspekte. Zum einen wird eine bald diplomierte Psychologin als eine NLPistin im Schafspelz frei agieren können und sich mit einem echten akademischen Titel schmücken dürfen, zum anderen wird ihre Abschlussarbeit Teil der wissenschaftlichen Veröffentlichungen sein, damit unter dem Siegel der öffentlichen Ausbildung in Deutschland firmieren und zitierbar sein.

Des weiteren bestehen bereits jetzt schon Verbindungen zwischen dieser Frau und der NLP–Bewegung, welche naturgemäß Interessen besitzt und ihre eigenen Ziele verfolgt und wiederum ein zufriedenstellendes Ergebnis begrüßen würde.

Doch der Verband braucht sich da wohl keine Sorgen zu machen. Liest man auf der Internetpräsenz NLP–Nielsen bei der „Psychologiestudentin“ nach, so findet sich folgender Aufruf, welcher keine Fragen offen lässt:

Lieber NLP-Anwender, vielen Dank für deine Unterstützung.

NLP-Studie

Mein Name ist Stephanie Konkol. Ich führe eine Forschung durch, um die Wirksamkeit von NLP wissenschaftlich zu untersuchen.

Dafür brauche ich 144 Probanden und 30-40 NLP-Anwender. 

Jeder NLP-Anwender führt jeweils 3 Probanden in Berlin am 19./20.1.2013 hintereinander durch die NLP-Intervention New Behavior Generator. Für jeden Probanden hast du 1 Stunde Zeit.

Am 13.1.2013 bekommst du für die Durchführung von 17 bis 19 Uhr eine Schulung in den Räumen, in denen am 19./20.1.2013 die Forschung durchgeführt wird:

Pestalozzi-Fröbel-Haus

Karl-Schrader-Str. 7-8

10781 Berlin

[...] [2]

Es ist klar, wes Geistes Kind sie ist und was die Studie am Ende belegen wird, auch wer sich darauf berufen wird und warum, hierzu liegen die Karten für jedermann sichtbar auf dem Tisch.

Was solche Studien letztlich wert sind, kann man sich denken. Das eigentlich prekäre an der Situation ist aber vor allem, dass all dies im Rahmen der Öffentlichkeit vonstatten geht. Niemand nimmt einen gewissen Anstoß oder fragt gar, wieso eine solche Studie von einer Mitarbeiterein eines NLP–Instituts durchgeführt werden kann, während sich andere NLPisten später auf diese beziehen können, da sie durch ein universitäres Psychologiestudium formal gedeckt ist.

Aber die Facebookseite des DVNLP bietet natürlich noch mehr. Man findet hier auch einen Protagonisten des populärwissenschaftlichen Diskurses: Prof. Dr. Gerald Hüther ( zum Vergrößern bitte Anklicken ).

Facebook - DVNLP - Huether - Spiegel - ZDF [1]

Auf seiner eigenen Webseite [3] verweist der „Göttinger Neurobiologe“ Gerald Hüther allerdings mit keiner einzigen Silbe auf seine NLPistischen Verstrickungen. Warum auch, sie könnten ihn natürlich diskreditieren, obwohl man in medialen Kreisen sicherlich um seine Verbindungen weiß. Und wer schaut schon auf die Facebookseite des DVNLP?

Ein Interview im Spiegel Online [4] mit ihm über das allgegenwärtige Genie im Kinde wird dort vom DVNLP genauso gefeiert wie sein Auftritt beim Wohlfühlphilosophen Precht im ZDF.

Wieder stellt sich die Frage, ob Herr Precht oder Christian Bleher vom Spiegel Online nicht hätten nachfragen können, wie es der Herr Hüther mit dem NLP so sieht.

Über Herrn Bleher findet sich auf seiner eigenen Webseite:

Christian Bleher

Autor, Journalist, Coach, Redakteur

Herzlich willkommen auf diesen Seiten - und viel Spaß beim Blättern [5]

q. e. d.

Es ist also kein Wunder, dass der Herr Professor mit dem Herrn Coach Dank finanzieller Förderung durch den Spiegel und seinen Lesern über die moderne Hirnforschung faseln durfte und damit auch noch ein Stück weit bekannter wurde.

Über Verbindungen zwischen dem NLPismus und Richard David Precht ist zwar nichts konkretes zu finden, aber umso klarer bleibt die Frage: Warum spricht er seinen Gast nicht auf dessen NLP–Zugehörigkeit an?

( quod sit demonstrandum )

Man erkennt klar und unmissverständlich, dass eine Aufklärung der Bevölkerung notwendig ist und sich wohl keine etablierte Institution finden lassen wird, welche unbefangen sich des Themas annehmen wird.

 

 

Quellen:

[1] http://www.facebook.com/DVNLP

[2] http://www.nlp-nielsen.de/anwender

[3] http://www.gerald-huether.de/

[4] http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/kritik-am-schulsystem-huether-will-gymnasium-und-lehrplaene-abschaffen-a-850405.html

[5] http://www.christianbleher.de/

 

 

10.01.2013 um 17:53 Uhr

Die Positionierungen der Parteien zum NLP vor der Landtagswahl in Niedersachsen

Das Thema Coaching und Manipulation bleibt trotz der steten Abstinenz in den deutschen Medien ein drängendes, wie jeder Bürger feststellen darf, sobald er sich entschließt, bei einer beliebigen Hotline anzurufen oder sich in einem Elektromarkt beraten lassen möchte. Darüber hinaus ist es ein Feld der Betätigung für unzählige Akademiker sozialwissenschaftlicher Prägung.

Man kann hier auf die Haltung Richard Feynmans verweisen, welcher die Sozialwissenschaften prinzipiell als Pseudowissenschaften beschrieb[1] und auf die Ernsthaftigkeit der Naturwissenschaften verwies. Seitdem sind einige Jahrzehnte vergangen.

Schauen wir auf die Häufigkeit, mit welcher Neologismen verwendet werden und in welcher Stringenz deren Aufstieg bei google.de zu beobachten ist, fällt auf, dass gerade die vergangenen Jahre hier den Plastikwortfetischisten und Coachinganhängern sehr viele Möglichkeiten einbrachten und sie diese nutzten. Stellvertretend soll hier eine Graphik aufzeigen, wie stark diese Begriffe mittlerweile im Internet präsent sind und wie sich die Zunahme aus sprachlicher Perspektive abstrusester Termini im Verlauf zwischen Frühjahr 2009 und Ende 2012 gestaltet hat. Beginnen wir mit den Konstrukten um das intransitive Verb „kommunizieren“, welches in fehlerhafter transitiver Form den hohlen Floskeln selbstverliebter Snobs den nötigen stumpfen Klang gibt:

 Googletreffer für "... kommuniziert"

Dass Bücher und Filme nicht „funktionieren“, sondern gefallen oder spannend, faszinierend, verstörend, irritierend, einfallsreich oder aufwühlend, derb, klassisch sein können sowie auf jede erdenkliche andere Art umschrieben, mag dem Leser einer Kritik klar sein, den Rezensenten ist dies oftmals zu anspruchsvoll, daher versuchen sie sich gern in einer abschließenden Einschätzung, in welcher diesem Verb ein besonderer Platz eingeräumt wird. Dabei unterlag die Häufigkeit in der Verwendung dieser Termini über den beschriebenen Zeitraum bereits schon einigen Schwankungen, dennoch scheint es, als bliebe diese Formulierung ein schauriger Beweis für die Kommerzialisierung der Buch– und Filmkritik.

 Googletreffer für "... funktioniert"

Interessant ist zudem, dass beide Formulierungen in einem etwa gleichbleibenden Verhältnis im Netz auftauchen, was den Verdacht nahe legt, dass die gesellschaftliche Affinität zu solchen Formulierungen und ihrer momentan üblichen Gebräuchlichkeit einerseits Moden unterliegt, aber andererseits stets unterschiedliche Felder der journalistischen Tätigkeit gleichzeitig afficiert, wie folgende Graphik belegt:

 Verhältnis der Googletreffer für "... funktioniert"

Dies lässt uns nun zu der Frage gelangen, wie solche sprachlichen Entgleisungen zu stoppen wären. Die Politik bietet hier sicherlich kaum Möglichkeiten. Dennoch könnte man dort mit gutem Beispiel vorangehen und sollten sich die Politiker aller Parteien mit dem Phänomen beschäftigen, dass unsere Sprache in den vergangenen Jahren inhaltlich ausgehöhlt und zu einer Formalsprache verkommen ist, welche ein gefühlsmäßiges Erfassen einer Aussage unmöglich macht.

Hierzu sollte man verstärkt gegen die Urheber solcher Entwicklungen vorgehen. Doch gerade diese versuchen, auf die Politiker Einfluss zu nehmen. Wie dies geschieht, kann man von außen nur erahnen. Dennoch ist klar, der allgegenwärtige Lobbyismus wird so um eine weitere Kraft ergänzt, deren Ziele sie an den Medien vorbei zu realisieren sucht.

Am 20.01.2013 ist wieder eine Landtagswahl, diesmal in Niedersachsen. Und wieder haben die Leute vom Dachverband des NLP in Deutschland ihre Anfragen an die großen und nicht ganz so großen Parteien geschickt, um ihrer Klientel die nötigen Informationen zukommen lassen zu können.

Dass sie damit nicht allein sind, beweisen die transparenten Piraten auf ihrer Website, auf welcher gleich alle Fragebogen aufgelistet und verlinkt sind. Die Anzahl dieser Organisationen, deren Interesse mehr oder minder begründet ist, beeindruckt den Leser, so wie es ihn vielleicht irritiert, ist dies doch eine weitere Form des ach so lauteren Lobbyismus.

Tatsächlich nennen diese Organisationen ihre Fragen stets „Wahlprüfsteine“, eine irreführende Floskel, sind es doch nichts anderes als rhetorische Fragen, auf welche sogar eine Antwort erwünscht wird, das heißt eigentlich Suggestivfragen, deren einziger Nutzen darin liegt, armen Praktikanten beizubringen, wie man im Namen der Partei inhaltsleere Aussagen in adäquatem Neusprech formuliert.

Um so interessanter ist es da, dass eine Partei im Landtagswahlkampf die NLPisten als Zielgruppe für sich entdeckt hat. In deren Verlautbarung heißt es:

„[...]

Die Anstrengungen für eine gute Bildung beginnen im frühkindlichen Stadium, in der Krippe und der Kita, umfassen Schule, Hochschule, Ausbildung und schließen Erwachsenenbildung ein. Vor diesem Hintergrund gilt für uns das Neuro-Linguistische Programmieren als ein interessantes Konzept für die Verbesserung und zur Veränderung der Kommunikation, das insbesondere von Menschen nachgefragt und genutzt wird, die im beruflichen Kontext viel mit Kommunikation zu tun haben.

Ich bitte Sie jedoch um Verständnis, dass ich über diese allgemeine Aussage hinaus zu ihrer sehr detaillierten Anfrage keine weiteren Ausführungen machte. Das Gespräch darüber muss nach der Landtagswahl von der zuständigen Fachministerin – vor dem Hintergrund der weiter oben angedeuteten Position – geführt werden. Sollte es in der nächsten Wahlperiode ein SPDgeführtes Kultusministerium geben, wird der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren e. V. uns dafür ein willkommener Gesprächspartner sein.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Weil

SPD-Landesvorsitzender“ [2]

Damit disqualifiziert sich diese Partei allein schon dadurch, dass man hier bereitwillig den NLPisten die Tore zur Macht öffnet. Wer in Niedersachsen am 20.01.2013 zur Wahl geht, sollte also keinesfalls sein Kreuz bei den Sozis machen.

Die Antworten der anderen Parteien sind im einzelnen auf der Seite des DVNLP und auch der Piratenpartei ( deren eigene Antworten ) nachzulesen. Einige davon sollen hier auszugsweise wiedergegeben werden:

Wahlprüfsteine des DVNLP

Der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren e.V. (DVNLP) hat uns Wahlprüfsteine geschickt.

Unsere Antworten gibt es auch als Wahlprüfsteine des DVNLP

Viele Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft nutzen inzwischen für ihre persönliche und berufliche Entwicklung regelmäßig Coachings oder Fortbildungen, um ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.

1. Für wie wichtig halten Sie es, dass auch Lehrerinnen und Lehrer kontinuierlich ihre Lehrtätigkeit mit Coachings, Trainings und Supervision zu betrachten, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln?

( Antwort der Piratenpartei: )

In unserem Selbstverständnis von Bildung und deren Optimierung sind die Mittel wichtig, die wissenschaftlich fundiert, dieses unterstützen. Wir möchten die Möglichkeiten der Schulen und der Lehrer erhöhen, diese Mittel einzusetzen. Durch unseren Einsatz für mehr Demokratie im Schulwesen, den Schulen und der vermehrten Beteiligung der Eltern und Schüler am Bildungsprozess wird automatisch die Vielfalt der Mittel, der Optimierungswerkzeuge und Herangehensweise gefördert.

Antwort der FDP:

Selbstverständlich müssen auch Lehrerinnen und Lehrer weitergebildet werden. Dazu gehört natürlich auch, dass sie ihre Tätigkeit hinterfragen, um diese weiterzuentwickeln. Ein Lehrer der gut geschult und trainiert in den Unterricht geht, kommt der Bildung der Schüler immens zugute. [2]

Antwort von Bündnis 90/Die Grünen:

Wir halten es für sehr wichtig, dass auch Lehrerinnen und Lehrer kontinuierlich ihre Lehrtätigkeit mit Coachings, Trainings und Supervision betrachten, hinterfragen und weiterentwickeln. [2]

Damit sind die Grünen fast schon zum Steigbügelhalter des NLP verkommen. Eine Wahlempfehlung für die Grünen kann es also aus dieser Sicht heraus nicht geben.

2. Unterstützen Sie die Anwendungen von NLP auch im schulischen Bereich?

( Antwort der Piratenpartei: )

Grundsätzlich kann NLP ein weiterer Baustein zur Optimierung des Bildungswesens sein. Dieses haben bereits unabhängige Studien gezeigt. Die letztendliche Verantwortung hierfür sollte bei den Experten in Zusammenarbeit mit den Lehrern, Eltern und Schülern liegen.

Beide Sätze beweisen eine gewisse Unterwürfigkeit. Zum einen benutzt man den Begriff „Baustein“, welcher den Versuch einer sprachlichen Anpassung impliziert, zum anderen behauptet man bei den Piraten, dass „unabhängige Studien“, also von NLPfreien Wissenschaftlern unternommene Experimente, „gezeigt“ hätten, dass die Gehirnwäsche de facto ihre Wirkung nicht verfehlt.

Die Manipulation, welche vom NLP ausgeht, wird von dem zuständigen Piratenpolitiker demzufolge als etwas gutes bewertet. Nun dürfte der letzte Satz als beschwichtigend empfunden werden, wenn man auf die sogenannten „Experten“ verweist, welche mit den „Eltern, Lehrern und Schülern“ ihre NLP–Ziele besprechen sollen. Da es sich um eine Psychosekte mit missionarischem Eifer handelt, sollte indes jedem bewusst werden, welche Chancen man auf diese Weise den NLPisten geben würde.

Bei der FDP heißt es schlichtweg:

Antwort der FDP:

Die Anwendung von NLP ist etwas sehr persönliches, so dass dies jeder individuell entscheiden sollte. [2]

Wer in den aktuellen Umfragen bei gerade einmal zwei Prozent steht, traut sich vielleicht nicht, klar zu sagen, auf welcher Seite er steht. Doch mit solchen unklaren und lavierenden Formalbekundungen steht man in gewisser Weise den NLPisten näher als den Kritikern dieser Psychosekte.

[...]

Neuro-Lingustisches Programmieren (NLP) verfügt über gute Methoden, Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie) rasch und nachhaltig günstig zu beeinflussen.

5. Wie stehen Sie dazu, dass dieses Potenzial in den Schulalltag integriert wird?

( Antwort der Piratenpartei: )

Siehe Antwort 2.

Auch die FDP bricht hier ein und antwortet:

Antwort der FDP:

Dieser Ansatz klingt sehr interessant und sollte zunächst ausgewertet werden. [2]

6. Unterstützen Sie das Ziel, dass im psychotherapeutischen Bereich nicht mehr (ausschließlich) nach Stunden, sondern nach Erfolgen bezahlt werden sollte?

( Antwort der Piratenpartei: )

Dazu haben wir uns noch keine Meinung gebildet.

Antwort der FDP:

Grundsätzlich sollten auch Erfolge Berücksichtigung finden. Allerdings ist die Materie derart komplex, dass es nicht möglich ist, ausschließlich die Erfolge zu bewerten. Gerade auf dem Feld der psychotherapeutischen Erkrankungen kann nicht pauschal nach Erfolg abgerechnet werden, da Menschen unterschiedlich auf Therapien reagieren. Wir sehen daher keine Möglichkeit dies so pauschal zu bejahen. [2]

[...]

In einem von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Forschungsgutachten der Uni Jena (Bernhard Strauß et al: „Forschungsgutachten zur Ausbildung von Psychologischen PsychotherapeutInnen“, April 2009) heißt es: „Im Rahmen der Delphi-Befragung wurde von der Mehrheit der ExpertInnen eine Revision des Heilpraktikergesetzes und eine Aufhebung der dort verankerten Psychotherapieoptionen empfohlen.

Angeregt wurde darüber hinaus eine Abgleichung mit den Texten im SGB V und den Kammer-Heilberufgesetzen.“ (Quelle: s.o., S. 377).

9. Werden Sie in Niedersachsen und im Bund diese Empfehlung unterstützen bzw. umsetzen?

( Antwort der Piratenpartei: )

Sowohl unser Grundsatzprogramm als auch unser bisherig verabschiedetes Wahlprogramm lassen eine Unterstützung zu. Konkrete Beschlüssen liegen von unserer Seite noch nicht vor. [3]

Man spricht also von einer unterstützenden Haltung. Mehr muss man nicht wissen, um sich sicher zu sein, wo man sein Kreuz genau wie bei der SPD nicht machen sollte.

Und was die anderen Parteien anbelangt, so erkennt man generell, dass die Antworten der FDP Niedersachsens sehr schwammig und unklar formuliert wurden, die Grünen dabei noch eine Spur wohlwollender erscheinen und die Piraten sich der NLP–Idee fast schon hingeben.

Dass sich sowohl die PD§ED–Linkspartei als auch die CDU nicht äußern, mag andere Gründe haben, als dass man dort begriffen hätte, mit welchem Irrsinn man es bezüglich des NLP in den kommenden Jahrzehnte zu tun bekommen wird, da unzählige Lobbyistenverbände zuhauf ihre Anfragen an die Parteien senden, um dort etwaige Zustimmung zu erheischen.

Eine Liste hierzu veröffentlichen die sich selbst als „transparent“ darstellenden Piraten, wie oben bereits erwähnt, auf ihrer Website:

·         10 Thesen für den Wahl-O-Mat

·         Die kompletten 85 Wahl-O-Mat Thesen

·         Wahlprüfsteine der Aktion Moorschutz

·         Wahlprüfsteine der Albert Schweitzer Stiftung

·         Wahlprüfsteine der AWO Weser-Ems

·         Wahlprüfsteine der DSTG-Jugend

·         Wahlprüfsteine der Gewerkschaft NGG

·         Wahlprüfsteine der Landes-Asten-Konferenz (LAK)

·         Wahlprüfsteine der NKGEV

·         Wahlprüfsteine der Volksinitiative KITA

·         Wahlprüfsteine des “Niedersächsischer Jäger”

·         Wahlprüfsteine des ADFC

·         Wahlprüfsteine des AK Vorratsdatenspeicherung

·         Wahlprüfsteine des BDK

·         Wahlprüfsteine des BUND

·         Wahlprüfsteine des DVNLP

·         Wahlprüfsteine des GEW

·         Wahlprüfsteine des Landeselternrates (LER)

·         Wahlprüfsteine des Landesfeuerwehrverbandes

·         Wahlprüfsteine des Landesfrauenrates

·         Wahlprüfsteine des Landesschülerrates

·         Wahlprüfsteine des Landesseniorenrates

·         Wahlprüfsteine des LÖN

·         Wahlprüfsteine des LSVD

·         Wahlprüfsteine des VEN

·         Wahlprüfsteine des Verbandes Deutscher Privatschulen e.V.

·         Wahlprüfsteine des VPH

·         Wahlprüfsteine des World Event to End Animal Cruelty (WEEAC)

·         Wahlprüfsteine vom (TGYM) & (BTEU)

·         Wahlprüfsteine von “Das Boot” e.V.

·         Wahlprüfsteine von Greenpeace

·         Wahlprüfsteine von Haus & Grund Nds.

·         Wahlprüfsteine des Flüchtlingsrates Niedersachsen e.V.

·         Wahlprüfsteine des Kreisjugendring Osterode

[3]

Es ist wirklich faszinierend, wieviele Lobbyistenverbände von den Parteien mit wohlklingenden Antworten zufriedengestellt werden müssen. Dennoch ist es nicht verständlich, wieso man sich derart den NLPisten anbiedern muss, wie es die SPD in Niedersachen tut oder sich zu einer zustimmenden Haltung überreden lässt, wie es bei den Piraten und den Grünen nachzulesen ist oder auch in latent–labil–liberaler Form bei der FDP.

Es wird aber nachvollziehbarer, warum sich PD§ED–Linkspartei und CDU eine Antwort ersparten. Zu viele Anfragen mussten im Vorfeld der Landtagswahl hierbei bearbeitet werden.

Wenn die NLPisten im Landesverband Niedersachsen nicht zur Klientel einer Partei gehören, haben andere Lobbyverbände wohl Vorrang.

Eine Wahlempfehlung kann man hieraus somit nicht ableiten, wohl aber eine klare Empfehlung, wem man seine Stimme vorenthalten sollte. Folgende Graphik zeigt im Vergleich mit den Positionierungen anderer Landesverbände vor den dortigen Landtagswahlen noch einmal deutlich, wie sehr es offenbar von der regionalen Affinität abhängt, welche Partei sich hierzu auf welche Weise äußert:

 Positionen der Parteien zum NLP vor den Landtagswahlen - Berlin - Schleswig-Holstein - NRW - Niedersachsen

Um den Protagonisten der großen und etwas kleineren Parteien seinen Unwillen zu deren Bereitschaft, den NLPisten entgegenzukommen, aufzuzeigen, könnte man gänzlich auf sein Stimmrecht verzichten, was indes wohl oder übel dazu führen wird, dass die manipulative Kraft der Überredung dort nur noch mehr geschätzt und als Lösung zu dem Problem der Politikverdrossenheit propagiert würde.

Gegen eine Protestwahl kleinerer, von jedem Extremismus freien Parteien spricht da deutlich weniger. Dennoch scheinen Coaching und NLP gerade erst in den Startlöchern zu sitzen, was die Einflussnahme auf die regionale oder gar die Bundespolitik angeht. Keine schönen Aussichten für die Zukunft also.

 

Quellen:

[1] http://www.youtube.com/watch?v=HtMX_0jDsrw

[2] http://www.dvnlp.de/fileadmin/dvnlp_dateien/presse/PM_2013/Wahlpruefsteine_des_DVNLP_Niedersachsen_2013.pdf

[3] http://wahl.piraten-nds.de/wahlpruefsteine/wahlprufsteine-des-dvnlp/

 

20.12.2012 um 13:28 Uhr

Eine Umfrage zur Verschleierung des Scheiterns einer Kampagne

Nachdem über eine gewisse Zeitlang keine bis gar keine neuen Propagandaberichte zur innerdeutschen Teilung von journalistischer Seite verbrochen wurden, scheint der Tanz wieder zu beginnen.

Während in den vergangenen Monaten das kleine Griechenland zum Buhmann für versnobte Journalisten und deren Leser stilisiert wurde, erinnert sich der ein oder andere Schreiberling von der üblicherweise jeder Objektivität unverdächtigen Presse in diesen Tagen wieder daran, dass es vor über zwei Jahrzehnten diverse historische Ereignisse gab, welche gut und gern auch heute noch unser soziales Leben beherrschen sollten, zumindest aus der Perspektive eines seiner Verantwortung gegenüber der inneren Spaltung sich bewussten Medienvertreters.

Also berichteten gleich mehrere Onlinedienste parallel über eine neue Umfrage, welche die sogenannte Hochschulinitiative Neue Bundesländer bei Allensbach in Auftrag gab.

Die institutionalisierte Spaltung Deutschlands in einen separaten Ost– und einen separaten Westteil von Seiten der Bundesregierung wird auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung schon lange entsprechend propagiert. So heißt es dort seit dem 29.05.2009:

"Die Vorzüge eines Studiums im Osten müssen offensiver bekannt gemacht und kommuniziert werden", kommentierte Minister Olbertz die Zahlen der Umfrage. "Gerade deswegen müssen wir ungewöhnliche Wege gehen - so wie es die prämierten Projekte tun, um bei den Jugendlichen im Westen auf die Stärken der ostdeutschen Hochschulen aufmerksam zu machen", sagte Minister Olbertz abschließend. [1]

Der sachsen-anhaltische Kultusminister benutzt rhetorische  Versatzstücke ( u. a. den skurrilen Terminus „kommunizieren“ in einer nicht adäquaten, heißt transitiven, Form ), was durchaus auf eine sehr anpassungswillige Persönlichkeit schließen lässt. Zur Frage der unbestreitbaren Intransitivität des Verbs „kommunizieren“ wurden von einem aufmerksamen Bürger auf dessen eigener Website seltsame-farben.de [2] und auch auf diesem Blog bereits h i e r [3] einige Bemerkungen notiert, welche den unzivilisierten Sprachgebrauch dieses Wortes in einer seltsamen transitiven Variante anprangern.

Selbiges passt natürlich auch auf die Äußerung des Ministers selbst, in welcher er sich klar zur Spaltung bekennt und damit fraglos einer klassischen Schlussfolgerung der Medien Tür und Tor öffnet. Der Artikel des Focus wurde nun stellvertretend für alle redaktionellen Meldungen sämtlicher Onlinedienste in Bezug auf diese oben erwähnte, neuerliche Umfrage ausgewählt, in diesem heißt es:

Oberflächlich und geldgeil

Ostdeutsche spotten über Besser-W*

Sonntag, 16.12.2012, 17:47

Auch 22 Jahre nach der Wende beherrschen Vorurteile das ehemals geteilte Deutschland. Ostdeutsche sehen den Westen dabei weitaus kritischer als umgekehrt. Sich selbst finden die meisten Ostdeutschen dagegen schwer in Ordnung.

Ein großer Teil der Menschen in Ostdeutschland belegt die Westdeutschen auch heute noch mit negativen Attributen wie Geldgier, Arroganz oder Oberflächlichkeit. „Ostdeutsche schreiben Westdeutschen praktisch nur negative Eigenschaften zu“, heißt es in einem Bericht der „Welt am Sonntag“. Die Zeitung beruft sich auf eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die Hochschulinitiative Neue Bundesländer.

Demnach würden über 40 Prozent der Ostdeutschen Westdeutsche mit den Negativbeschreibungen belegen, hieß es in der „WamS“. Demgegenüber hat nur ein Viertel der Westdeutschen ein negatives Bild der Ostdeutschen. Hier lauten die Vorurteile: Ostdeutsche seien unzufrieden, misstrauisch und ängstlich.

Andere Eigenwahrnehmung

Sich selbst wiederum würden die Ostdeutschen positiv mit Eigenschaften wie Bescheidenheit, Fleiß oder Erfindungsreichtum belegen. Der Umfrage zufolge sehen sich die Westdeutschen demgegenüber selbst wesentlich kritischer: Nur 17 Prozent kennen dort keine Selbstzweifel.

Weniger selbstkritisch durch die Diktatur?

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) begründete das positive Selbstbild der Ostdeutschen in der „WamS“ mit der DDR-Diktatur. „Die ständige Selbsthinterfragung, der intensive Diskurs gehörte im Westen zur Kultur. Aus einer Diktatur kommend kennt man das so nicht.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) klagte derweil über eine moralische Überheblichkeit des Westens gegenüber Ostdeutschen. „Mich stört der mitunter hoch erhobene, sehr moralische Zeigefinger des Westens gegenüber den Menschen in der ehemaligen DDR“, sagte Sellering der „Welt“ vom Montag laut einem Vorabbericht. „Da wird die DDR schnell zum Unrechtsstaat erklärt, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab.“ Dabei werde übersehen, dass es in der DDR Millionen von Menschen gegeben habe, „die weder Täter noch Opfer waren und die unter oft schwierigen Bedingungen viel geleistet haben“. [4]

Man erkennt, dass die Ablösung von Dieter Althaus durch Frau Lieberknecht keine so gute Idee gewesen sein kann. Natürlich wäre eine Abtretung des Ministerpräsidentenamtes an den cholerisch–charismatischen Kommunisten Ramelow der Knockout für Thüringen geworden. Doch sollte man nicht in aus der Möglichkeit eines noch größeren Alptraums folgern, dass Frau Lieberknecht als das kleinere Übel genügend geeignet sei für die Aufgabe, welcher sie verpflichtet ist.

Wer weiß, dass sich an Umfragen allein 8 % der Bevölkerung beteiligen und in welcher Form die Fragen formuliert werden, mit denen die Bürger telefonisch überrannt werden, sollte sich über diese Antworten auch kaum wundern.

Zudem muss man fragen, warum überhaupt die Umfrage als solche eine derartige Bedeutung zugeschrieben bekommen kann, wo doch vor einer solchen der Bürger stets über den Inhalt derselben aufgeklärt wird. Wer sich zum Ostwestthema schlicht nicht äußern möchte, wird sich auch von einer solchen Umfrage fernhalten.

Die reflexartigen Versuche des Verständnisheischens durch Frau Lieberknecht und den bereits mehrfach in dieser Hinsicht unangenehm aufgefallenen Herrn Sellering sind hier nur Anzeichen ihrer eigenen Verstrickung in die althergebrachten Illusionen von den zwei Mentalitäten, welche wohl auch ihrer persönlichen Prägung geschuldet sind.

Statt indes für die Äußerungen von umfragebegeisterten Teilnehmern skurriler Telefonbefragungen in die Bresche zu springen, sollten sich die von einer einfachen Mehrheit gewählten Volksvertreter fragen, ob durch eine Abgrenzung von derartigen Positionen nicht möglicherweise sogar bei der nächsten Landtagswahl eine absolute Mehrheit denkbar wäre.

Die Frage des Selbstzweifels an der nunmehr weit über zwanzig Jahre zurückliegenden Teilung festmachen zu wollen, zumal diese Aussagen der Befragten auf bloßer Selbsteinschätzung basiert, ist zudem nur mit äußerster Vorsicht zu genießen. Hier von wahrheitsgemäßen Angaben auszugehen, ist dabei genauso wenig ratsam, wie aus der Menge der Umfrageteilnehmer auf einen Querschnitt der Bevölkerung zu schließen. Die Konditionierung der Bevölkerung durch stetiges Einreden konkreter Vorurteile kann ebenso dazu führen, bestimmte Aussagen zu induzieren, welche dem in seiner Meinungsfreiheit, also dem Freisein von jeglicher Meinung, überforderten Bürger von einem Umfrageinstitut in den Mund gelegt wurden.

Wer sich aber besinnt auf die vergangenen Monate der unablässigen Kritik an Griechenland, dem griechischen Staat und den griechischen Bürgern selbst, weiß, wie schnell sich die Bevölkerung zu einer selbstbewussten Hybris gegenüber einer mutmaßlich ihrer eigenen kleinen Welt fremden anonymen Masse aufbringen lassen kann.

Ist die Ost–West–Thematik also wieder aktuell, oder versucht die Hochschulinitiative Neue Bundesländer nur verzweifelt, auf sich aufmerksam zu machen? Dass diese Idee von der Vermarktung eines längst überwundenen Minderwertigkeitsanspruchs nicht zum Erfolg führen konnte, war dem Autor dieses Blogs schon bei seiner Initiierung bewusst.

Die Umfrage taugt nicht als Beleg für ihr Scheitern, sondern soll nur selbiges begründen. Denn sollten gerade die Universitäten einen Zuwachs an Studenten erzielt haben, welche nicht auf ostalgische Weise geworben haben? Der Gewinner des Wettbewerbs der Hochschulinitiative Neue Bundesländer war die Universität Leipzig, welche tatsächlich zwischen 2009/10 und 2011/12 einen Studentenzuwachs von 0,9 % ( vgl. hierzu: [5] und [6] ) verzeichnen konnte, während man bei anderen Leipziger Hochschulen einen größeren Zulauf registrieren durfte.

Gar nicht in Erscheinung getreten in Zusammenhang mit dieser seltsamen Hochschulinitiative Neue Bundesländer war die Universität Jena, zu welcher die OTZ vor wenigen Tagen eine Meldung herausgab, welche impliziert, dass die hochgesteckten Ziele der Universität Leipzig, welche man dort mit „Abenteuer–WG“ und „Trabi“ erreichen wollte, hier ohne all diese Kuriositäten realisiert wurden. Zwar schreiben die OTZ–Journalisten auch wiederum aus ihrem spalterischen Denken heraus von sogenannten „Ost“– und sogenannten „West“–Deutschen, aber der Satz: „Die Hochschule wertet es als Erfolg, dass mehr als 40 Prozent der Erstsemester aus den westdeutschen Bundesländern nach Thüringen kamen. So sei es gelungen, den Geburtenknick hierzulande abzufedern.“ [7] liest sich wie reiner Hohn gegenüber der Kampagne, welche von der staatlichen Hochschulinitiative Neue Bundesländer zur Anwerbung von Studenten initiiert wurde. Manchmal muss man einfach nur die Normalisierung vorantreiben und sich auf den gesunden Menschenverstand verlassen, da sich irgendwann jedes Klischee abschleift.

Doch hat man den Hochschulen, welche sich an dieser Kampagne der „Hochschulinitiative“ beteiligten, einen Bärendienst geleistet und versucht dies durch eine skurrile neue Umfrage zum Thema Ost–West abzufedern, indem man zu beweisen sucht, dass die Zeit wohl noch nicht reif war. Was in Jena aber klappt, weil man dort auf eine ostalgische Werbung weitgehend verzichtet und sicher noch erfolgreicher wäre, würde man dies auch noch dem letzten Jenaer klarmachen, würde sicherlich ganz ohne diese seltsame Kampagne auch in Leipzig zu höheren Studentenzahlen geführt haben.

Liebe Leipziger, für Euch gilt dann wohl: Wer den Trabi hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und für Frau Lieberknecht, dass sie wohl besser dahin auswandern sollte, wo ihre Meinung gefragt ist.

 

Quellen:

[1] http://www.bmbf.de/press/2564.php

[2] http://seltsame-farben.de/kommunizieren.html

[3] http://www.blogigo.de/thueringen_im_sueden/Skurrile-Aktion-Degenerierte-Kultusminister-foerdern/67// 

[4] http://www.focus.de/politik/deutschland/oberflaechlich-und-geldgeil-ostdeutsche-spotten-immer-noch-ueber-besser-w*-_aid_883117.html

[5] http://www.lvz-online.de/leipzig/citynews/beliebter-hochschulort-studentenzahlen-in-leipzig-steigen/r-citynews-a-14708.html

[6] http://www.leipzig.de/de/business/invest/arbkraefte/10585.aspx

[7] http://www.otz.de/w/z/l/d/-/s/W-S-a-U-J-a-m-W-u-A-1613154125

 

12.08.2012 um 16:29 Uhr

Ein offenes Geheimnis

Der Leser kennt vielleicht das Gefühl, die Lektüre journalistischer Machwerke als verstörend zu empfinden, als Widerhall des Bedauerns einer Entwicklung aufzunehmen, welcher er selbst begrüßt oder als Kontrapunkt in einer Sache, welcher er angenehme Seiten abgewinnen möchte. Manchmal ist es schon seltsam, wie indoktrinär die selbsternannten Wächter der öffentlichen Meinung die veröffentliche Meinung nutzen, um in ihrem Sinne zu missionieren. Es gibt Puzzleteile dieser letzteren, deren einziger Sinn in einer Demoralisierung des einzelnen, des individuellen Menschen liegen.

Man gibt eine inne Haltung vor, und die Leser orientieren sich eilig und keineswegs die Intension hinterfragend daran, machen sich auf, passable Kommentare zu verfassen, weil diese Haltung es möglich macht, ihre Meinung zu einem ganz und gar anderem Thema hier einstreuen und verbreiten zu können.

Ein ist ein offenes Geheimnis, dass mittlerweile massenweise Rechtsradikale ihre rassistischen Thesen zu „Ost“–„West“–Artikeln im Kommentarteil der Welt Online verbreiten, indem sie „ihren Osten“ zum angeblich so „unverfälschten“ Teil Deutschlands stilisieren. Sie beginnen ihre Ausführungen dann zunächst unverfänglich mit ein paar einleitenden Floskeln, um aber schon im zweiten Satz dazu überzugehen, in so überdeutlicher Klarheit über ihre skurrilen Ansichten zu fabulieren, als dass irgendjemand dies überlesen oder missdeuten könnte.

So geschah dies auch im folgenden Text, welcher bei der Welt Online veröffentlicht wurde. Eine Frau beschreibt darin, wie sie die DDR verließ und heute ihre alte Heimat Rostock durch eine rosarote Brille verklärt. Über letzteres möchte sie sich aber dann doch nicht bewusst sein und drückt sich wie alle Verklärer um die echte Auseinandersetzung mit ihren Vorurteilen. Da sie das schändliche O–Wort in ihrem Artikel verwendet, nicht nur einmal und ständig mit einem stolzen Unterton eingeflochten, kann man sicher annehmen, dass es ihr ein Graus ist, sich mit dem Gedanken an ein normales Deutschland abzufinden. Und da eine solche Normalität auch den rechtsradikalen Kommentatoren seltsam vorkommen muss, schließt sich der Kreis auf eine skurrile Art. Aber man lese selbst:

Meinung 10.08.12

Was wären wir ohne

Von West nach Ost – Die Rückkehr nach der Flucht

Menschen, die aus der Unfreiheit der DDR in den Westen geflohen sind, zieht es heute zurück. Die innere Annäherung an den Osten, den man für immer verlassen wollte, geschieht dabei unbemerkt. von Kathrin Spoerr

[...]

Aus Plaste wurde Plastik

Das Leben im Westen war leicht. In Heidelberg wusste kaum jemand, wo Rostock lag. Irgendwo im Osten? Wohl in Polen? "Ach, du bist O*? So siehst du gar nicht aus!" Ich war froh über solche Sätze. Nein, wie die Leute aus dem Land im Osten, aus dem ich gerade kam und wohin ich nie wieder gehen würde, wollte ich nicht aussehen und nicht sein. Wenn ich nicht aussah wie ein O* – dann war ich auch keiner. Aus Plaste wurde Plastik, aus Kaufhalle wurde Supermarkt, aus Broiler Brathähnchen, praktisch über Nacht.

Manchmal erzählte ich es doch: "Ich bin O*." "Du bist von drüben?!", rief der W* dann, und je mehr Zeit verstrich, umso mehr bemühte er sich, nicht allzu schockiert zu wirken über diese Enthüllung. Es gab Entsetzen, Bewunderung, Mitleid, Neugierde und Herablassung. Nichts davon war mir recht.

Aber sich einfach nicht zu einer anonymen Masse von Personen zu bekennen, welche kaum das geringste miteinander gemein haben müssen, das wiederum kam ihr nicht in den Sinn. Sie bekennt sich zu ihrem „Osten“ und wundert sich, dass die Leute den Ball aufnehmen? Hätte sie mit gelassener Selbstverständlichkeit gesagt, dass sie Rostockerin ist und bitte schön als Norddeutsche gelten möchte, wäre diese Ansicht auch irgendwann von ihren Mitmenschen akzeptiert worden, sie wäre auch für andere ein Beispiel dafür gewesen, wie man sich verhält, wenn die Journaille wieder einmal spalterische Artikel in die Welt setzt, aber dies muss wohl im krassen Gegensatz zu ihrer Einstellung gestanden haben. Wäre sie wirklich clever oder auch nur rational vorgegangen, hätte es ihr längst einleuchten müssen, dass der „Osten“ ein Ort im Kopf und nicht auf der Landkarte ist. Aber schauen wir weiter:

Nach fast zehn Jahren im Westen spielte das Schicksal mir einen Streich, den ich ihm damals ziemlich übel nahm. Es verschlug mich, jedenfalls geografisch, in den Osten. Für den Job. Ausgerechnet nach Berlin. Ich fand einen inneren Kompromiss: Keinesfalls werde ich in Ost–Berlin ( Bindestrich hinzukorrigiert, Anm. d. Zit. ) wohnen. Das Regime war zwar schon lange weg. Aber die Leute sind noch die gleichen, dachte ich.

In Berlin verwischen die Grenzen

Natürlich sind trotzige Beschlüsse dieser Art in einer Stadt wie Berlin nicht durchzuhalten. Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Tiergarten, Mitte – die Grenzen verwischen hier. Und an heißen Berliner Sommertagen – warum nicht schnell an die Ostsee fahren? Ich war plötzlich recht oft an der Ostsee – nicht nur an heißen Sommertagen.

Es fiel ihr also auf, dass man in Berlin nicht mehr erkennt, wo die Mauer sich durch die Stadt entlang zog? Natürlich gibt noch einzelne Refugien für die Gestrigen, aber im Zentrum ist es für Mauerfetischisten wirklich schwer, es sei denn man gehört zu denen, welche mit Kamera und Stadtplan die Kochstraße auf und ab wandern, schleichen oder einfach nur im Weg stehen. Man nennt sie auch Touristen. Doch die Autorin des WeltOnlineArtikels zog schließlich in die Stadt, um hier zu leben. Spätestens nach ihrem Wechsel nach Berlin hätte ihr also etwas auffallen müssen, ist es aber nicht. Doch schauen wir weiter im Text:

Die innere Annäherung an das Land, das ich für immer verlassen wollte, geschah unbemerkt. Im Osten war alles anders. Anders als früher, vor allem anders als im Westen. Zum Beispiel das Einkaufen. Nie rät mir ein Rostocker Verkäufer, das Teuerste zu nehmen. "Das Billige ist genauso gut", höre ich oft; eine erschreckend umsatzfeindliche Ehrlichkeit; im Westen wäre das "ein schlechter Verkäufer", im Osten nicht. Man mag es nicht, das Hochspielen und Zeigenwollen. Oder die Handwerker. Sie nehmen sich Zeit. Reden, beraten, raten vom allzu Besonderem ab, raten zum eigenen Schaden zum Sonderangebot. So wird man nicht reich.

Wieder erzählt sie dem geneigten Leser einen vom Pferd. Nebenbei stellt sie einige Millionen Menschen an den Pranger der Unaufrichtigkeit. Wer nicht auf dem Territorium der untergegangenen zweiten deutschen Diktatur geboren wurde, betrügt also und verkauft den Kunden schlechte Ware für viel Geld, ist nicht ehrlich und stets dabei so schrecklich hektisch betriebsam in seinen täglichen Geschäften. Diese unerträgliche Behauptung nutzt sie zur Selbstbeweihräucherung und unbewusst zu einer grundehrlichen Selbstdemontage, welche ihre rein ostalgische Gesinnung zeigt. Weiter schreibt die Autorin der Welt Online:

Und überhaupt die Menschen. Früher unterschied ich die Menschen, mit denen ich mir Rostock teilte, in zwei Kategorien: Freunde und Feinde. Alle, die ich nicht kannte, gehörten automatisch zu den Feinden. Einem Fremden zu vertrauen war doch sehr leichtsinnig, weil sie möglicherweise ihren Platz im System hatten. Aber wie die Menschen hier sind, was ihre Eigenart ist, wie ihr Humor funktioniert, was sie mögen und was nicht, was sie durch gemeinsame Herkunft verbindet, das ganze Regionale, das Typische und Landsmannschaftliche – dafür war ich damals blind.

Einfach so verstanden

Jetzt sehe ich es. Die sprechen wie ich. Die lachen über das Gleiche. Die sind mir ähnlich. Und plötzlich merke ich: die teilen sogar die Erinnerungen, gute wie schreckliche. Jugendweihe, Stabü-Unterricht, Pioniernachmittage und Fahnenappelle, FDJ und "Seid bereit". Ich muss diesen Menschen nichts erklären. Hier werde ich einfach so verstanden. Und nicht alle, die in innerer Distanz lebten, stellten damals einen Ausreiseantrag.

Und die anderen? Auch denen, wenn ich ehrlich bin, kann ich nichts mehr nachtragen. Deutschland ist ein freies Land – frei und stark genug, um unsympathische Biografien zu ertragen. Biografien, die ich einmal hasste. Heute hasse ich nicht mehr.

[...] [1]

Wenn man älter wird, wird man genügsamer und gerät in einen Zustand der Altersmilde, möchte man hoffen, wenn man so etwas liest. Und doch ist es reine Ostalgie, welche von der Autorin aufgesogen wurde. Man könnte vielleicht konstatieren, dass sie aufgrund der fehlenden Identifikationsbereitschaft mit dem Land, in dem sie lebt, von Beginn an Probleme damit hatte, sich als Individuum zu begreifen, also sich schon vor 1990 nicht als Bundesbürgerin, sondern nur als „Ost“–Deutsche wahrnahm. Sie vergibt den SED–Schergen, aber nicht dem hektisch anmutenden Verkäufer in einem nordrhein–westfälischen Supermarkt und fühlt sich einem Stasispitzel plötzlich wieder näher, als es ihr damals beim Kölner Bäcker von nebenan möglich gewesen war. Was soll das dem Leser sagen?

Schlimm ist und bleibt es natürlich auch und vor allem, dass es die von ihr beschriebenen und glorifizierten Refugien und Nischen der Ostalgiker noch gibt, in welchen die Autorin sich so verstanden fühlt. Aber vielleicht hat sie ja auch gerade nach diesen gesucht, um endlich zu erkennen, dass sie ihren Ausreiseantrag wohl hätte gar nicht stellen müssen, sollen oder dürfen und sich einfach weiter der Bespitzelung und Drangsalierung erfreuen und ein zufriedenes Leben ohne Freiheit hätte führen können.

Spannend wird es aber eigentlich erst unterhalb ihres Artikels. Dort finden sich zahlreiche Kommentare, welche beinahe alle selbige rechtsradikale Gesinnung offenbaren, die man nur allzu häufig in den Kommentaren der Welt Online findet. Hier versteift man sich darauf, wie richtig und notwendig solche Artikel seien, da man hier das Thema der „Heimat“ aus einer „deutschen“ Perspektive betrachte. Der dort propagierte „Osten“ sei ja so wenig durch die immerwährende Zuwanderung verändert und daher das Ziel all derer, welche mit letzterer ein Problem haben.

Von wo solche Kommentare stammen, lässt sich nicht sagen, aber es scheint so, als sei es ein propagandistischer Weg, welcher von Neonazis eingeschlagen wird, um sich einfach bei den ostalgischen Lesern beliebt zu machen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sich gleichzeitig des Mauerfetisch in ihrer Weise clever zu bedienen.

Ob eine derartige Annäherung erfolgt, ist dabei allerdings beinahe schon wieder bedeutungslos, beide und noch viel mehr Ideologien gedeihen auch ohne Verbrüderung frevelhafterweise und zumindest parallel. Man spürt, in einer Gesellschaft, der ein Klischee wichtiger ist als das Ergründen der Realität, reichen Verdachtsmomente und Behauptungen oft schon aus, wenn man sie nur auf große anonyme Massen beziehen kann.

Wer nun glaubt, die Welt Online betreibe eine „Ost“–Propaganda, nachdem man über Jahre hinweg ein regelrechtes „Ost“–Bashing betrieb, der irrt. Folgender tags darauf publizierte Artikel zeigt, dass es nur um die Spaltung geht, nicht um pro oder contra „ost“ oder „west“. Man steht nicht auf einer Seite, sondern schürt Feindseligkeit und Stolz:

11.08.12

Immobilien

Wohnungsnot im Westen, Oststädte sterben langsam

Deutschlands Osten ist bekannt für sanierte Altstädte und intakte Gebäude. Doch viele Häuser stehen leer. Im Westen dagegen wird Wohnraum knapp, die Preise steigen rapide an.

von Andreas Voigt

[...] [2]

Ein Schelm, wer böses dabei denkt: Es ist den Machern bei der Welt Online bekannt, dass ihr Kommentarbereich ein Tummelplatz der Rechtsextremen geworden ist, diese spulen dort für jeden Leser erkennbar ihre Thesen ab und zeigen offen ihr rassistisches Denken. Und nun offeriert die selbe Welt Online ihren Lesern günstige Mieten und sanierte Altbauten?

Vielleicht liest der gemeine und einfach gestrickte Bürger morgen einen Artikel im Netz über die Aufkäufe von Häuserblocks durch rechtsradikale Vereine in Görlitz.

Fazit: Hätten sich die Menschen heute dazu entschieden, keine „Ost“–„West“–Deutschen mehr sein zu wollen, hätten sie morgen ein klareres Bild von der Welt, in der sie leben. Und sie müssten sich keinerlei Befürchtungen hingeben, sich von anderen instumentalisieren zu lassen, da sie selbst entscheiden würden, welche Überzeugung sie im Detail von den Dingen und der Welt haben. Das sage ich seit zwanzig Jahren, aber wer will es schon hören? Es bedarf schließlich einer leichten geistigen Anstrengung dazu.

 

Quellen:

[1] http://www.welt.de/debatte/article108567003/Von-West-nach-Ost-Die-Rueckkehr-nach-der-Flucht.html

[2] http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article108576321/Wohnungsnot-im-Westen-Oststaedte-sterben-langsam.html

 

 

 

29.07.2012 um 13:22 Uhr

Thüringen im Visier der ARD

von: catulus   Kategorie: Vergangenheitsverklärung   Stichwörter: Thüringen, ARD, Tatort, Ostalgie

Eigentlich war es nur eine kurze Meldung bei gmx/web, welcher an sich kaum irgendeine tiefere Bedeutung beigemessen werden müsste: Die ARD will einen Tatort in Thüringen drehen. Doch wer die Medien ein wenig einzuschätzen weiß, ist sich schnell über die Tragweite einer solchen Entscheidung im Klaren, welche gleichbedeutend ist mit einer öffentlichen Demütigung des Freistaates, einer Demontage des Bundeslandes Thüringen. Es geht um Ostalgie, darum, wie man junge Menschen zur Ostalgie verführt, sie sogar dazu auffordert, sich mit dem rückwärtsgewandten Denken des ostalgischen Irrsinns zu identifizieren, wie man sich mit Hauptfiguren in Filmen nun einmal identifiziert.

Die Politik des Senders wie auch aller anderen deutschen Medien war bislang eindeutig, warum sollte man daran zweifeln, dass man dort von seiner Position abrückt. Der Stern Online schreibt dazu:

Auf Mördersuche mit Praktikantin

Jetzt bekommt auch Erfurt ein "Tatort"-Team. Im kommenden Jahr wird dort das jüngste Ermittler-Trio der ARD-Krimireihe auf Verbrecherjagd gehen. Die drei Neuen sind unverbraucht - und preisgekrönt.

[...]

Die Dreharbeiten sollen im Frühjahr beginnen. Zu sehen gibt es den neuen, verjüngten "Tatort" aus der Landeshauptstadt Thürigens dann Ende des Jahres 2013.

Preisgekrönte junge Darsteller

Alina Levshin wird in der Krimireihe eine Juristin spielen, die auf eigenen Wunsch ein Polizeipraktikum absolviert. Auch wenn die Berlinerin zu den jüngsten Ermittlern der "Tatort"-Reihe gehört, ist sie schon lange das Scheinwerferlicht gewöhnt. [...] Vor allem ihre Darstellung eines knallharten Neonazi-Mädchens in "Kriegerin" begeisterte die Kritiker und brachte der jungen Mutter, die vor einem halben Jahr ihr erstes Kind zur Welt brachte, unter anderem den Deutschen Filmpreis ein.

Das klingt natürlich alles ein wenig konstruiert. Und man darf sicher sein, dass sie hier nur eine Alibifunktion übernimmt. Denn wer eine „ost“–deutsche Nazifrau gespielt hat, ist aus der Perspektive der Medien sicherlich prädestiniert, ja geradezu unverzichtbar, wenn es darum geht, die Vorgaben der ARD zu erfüllen und in bekannter mauerfetischistischer Manier einen Bogen zwischen der brandenburgischen Provinz und einer süddeutschen Großstadt – wie in diesem Falle Erfurt – zu spannen. Wahrscheinlich wird sie aber keinen wirklich großen Auftritt haben, schließlich will man sich mit einer solchen Besetzung nur nach rechts absichern. Wesentlich wichtiger sind die beiden Hauptpersonen, von denen der eine vor allem durch seine ostalgische Filmographie besticht.

Aber schauen wir weiter:

An Levshins Seite werden in Erfurt Friedrich Mücke (Jahrgang 1981) und Benjamin Kramme (Jahrgang 1982) ermitteln. Mücke, der den Kriminalhauptkommissar Henry Funck spielt, war bereits in den Kinofilmen "Russendisko" und "Friendship!" an der Seite von Matthias Schweighöfer zu sehen. Für letzteren Film wurde ihm der Bayerische Filmpreis als bester Nachwuchsspieler überreicht.

Unfassbar ist es, ja geradezu frappierend. Wie intensiv muss man sich um einen Darstller bemüht haben, der aus der Riege der neuen Mauerfetischisten stammt. Da hätte man auch gleich Daniel Brühl verpflichten können. Aber nein, dieser ist im Gegensatz zu Mücke nämlich nicht auf dem Territorium der zweiten deutschen Diktatur geboren. Bei wikipedia liest man über selbigen Schauspieler:

Friedrich Mücke (* 12. März 1981 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler.

[...]

Leben

Friedrich Mücke absolvierte von 2003 bis 2007 ein Studium an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin. [...] Einem größeren Publikum wurde er mit dem Kinofilm Friendship! bekannt, in dem Mücke zusammen mit Matthias Schweighöfer die Hauptrolle spielte. Er wurde dafür mit dem Bayerischen Filmpreis 2009 als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

[...] [1]

Zudem hat er sich mit dem scheußlichen Machwerk „Friendship“ für eine derartige und großangelgte Demontage des süddeutschen Bundeslandes Thüringen geradezu qualifiziert. Es ist, als seien die Verantwortlichen direkt auf der Suche gewesen nach Schauspielern, welche ihren Mauerfetisch in die Wohnzimmer der Tatortzuschauer tragen.

Und der andere Darsteller? Über ihn liest man bei wikipedia folgendes:

Benjamin Felix Kramme (* 7. Februar 1982 in Weimar) ist ein deutscher Schauspieler.

[...]

Filmografie (Auswahl)

[...]

·         2009: 13 Semester [...] [2]

Ein Film, welcher sicherlich mit den Ausschlag für die Entscheidung zu seiner Besetzung gab, denn heißt es über diesen Film wiederum bei wikipedia:

13 Semester (Untertitel: Der frühe Vogel kann mich mal) ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 2009. Der Film erzählt die Geschichte der Freunde Moritz und Dirk, die aus einem kleinen Ort in Brandenburg an die Technische Universität Darmstadt kommen, um dort Wirtschaftsmathematik zu studieren. [...] [3]

Wer in Weimar geboren wurde und einen klischeehaft stereotypen, rückständigen brandenburgischen Trottel spielt, der passt so sehr ins Bild der ostalgischen ARD–Funktionäre, dass er keinesfalls übergangen werden darf. Nebenbei angemekt, wurde das Drehbuch zu „13 Semester“ wie auch das Drehbuch zu „Friendship“ von dem selben Autor verfasst ( Oliver Wechselbalg Ziegenbalg ).

Doch geht es von Seiten der ARD noch ein wenig deutlicher, wenn man im Artikel des Stern Online weiterliest:

[...]

Figuren mit "ostdeutschem Hintergrund"

Das junge Team aus Erfurt ist somit nicht nur sehr jung, sondern auch weitaus unverbrauchter als etwa der prominente Kollege aus dem Hamburger "Tatort" - Til Schweiger. Der MDR hatte im Frühjahr in einer Internet-Ausschreibung nach neuen "Tatort"-Konzepten gesucht. 100 Ideen wurden eingereicht. Das Gewinnerkonzept stammt von der in Köln und München ansässigen Produktionsfirma FFP New Media. Sie hatte sich auch für Erfurt als Drehort entschieden. MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt freut sich über die jungen, neuen Gesichter für die Krimireihe: "Wie die Schauspieler haben auch ihre Figuren einen ostdeutschen Hintergrund und sind glaubhaft in Thüringen angesiedelt." [4]

Ekelhafter kann man es kaum noch ausdrücken. Diese Floskel, angelehnt an den genauso fragwürdigen und skurrilen „Migr.“–Hintergrund, welcher unterstellt, Leute würden im Hintergrund ständig durch die Gegend „migrieren“, also faktisch nomadisieren, sagt der Begriff des „ost–dt.“ Hintergrunds doch nichts anderes aus, als dass ein Mensch, der auf dem Territorium der zweiten deutschen Diktatur geboren wurde, stets darauf reduziert werden müsse, um überhaupt verstanden zu werden. Mit der Realität hat das sicherlich wenig zu tun. Es gibt natürlich die Vertreter der ostalgischen Welt auch im wirklichen Leben, doch spielen sie eine immer unwesentlichere Rolle und werden langsam von nachwachsenden Generationen verdrängt. Will man hier von Seiten der Tatort–Redaktion dieser Egalisierung einen Riegel vorschieben und eine Normalisierung verhindern? Die Frage muss zwingend und unmissverständlich mit einem Ja beantwortet werden. Schließlich wäre es 23 Jahre nach der Wiedervereinigung dann doch nun wirklich einmal an der Zeit, sich gerade in den meiningsbildenden Medienkreisen von selbigem ostalgischen Denken zu trennen, obschon man objektiverweise ein solches Handeln wohl kaum von den Protagonisten der deutschen Medienwelt erwarten darf. Jedes beliebige Klischee wird dort beherzt aufgenommen und bis an seine Grenzen ausgeschöpft. Und so wird es wohl auch in den kommenden Jahrzehnten eifrig weiterbetrieben werden. Und hier spricht ja auch die reine Mauerfetischpropaganda aus dem Mund von Jana Brandt, wenn sie die Glaubwürdigkeit ihrer Figuren mit einer ostalgischen Grundmentalität verbindet, welche sie niemals in Zweifel ziehen will.

Man muss sich fragen, was geschehen würde, setzte sich eine andere Meinung in den Medien durch, welche diese Ansicht konterkarierte. Würden die Zuschauer nicht einfach aufatmen und sich in Scharen vor den Fernsehern versammeln? Vielleicht, und nicht nur das, es wäre eine echte Marktnische, aus welcher man den Tatort wieder zu dem machen könnte, was er einmal war, eine gefällige deutsche Krimireihe. Aber will man das?

Hier werden die Weichen für kommende Jahrzehnte gestellt, schließlich laufen moderne „Tatorte“ im Fernsehen rauf und runter, während ältere Filme fast völlig aus dem Programm verbannt sind. Der Zuschauer wird sich schon daran gewöhnen. Wenn dieser sich aber abwendet und keine „Tatorte“ mehr mag? Dies wird die Propaganda schon verhindern. Denn schließlich verweist man schon anderthalb Jahre vor der Erstausstrahlung auf einen Film hin, zu welchem wahrscheinlich noch nicht einmal ein Drehbuch existiert.

Auf der Website jenapolis.de findet sich bereits auch der erste Jubelschrei und wird gleichmit auf den Erfurter Oberbürgermeister verwiesen, welcher die „Ost“–Propaganda natürlich schätzt, kommt sie ihm als Verfechter jeglichen rot–roten Bündnisses doch sehr gelegen. Der Widersacher von Christoph Matschie wird sogar wörtlich zitiert:

Autor: Rathaus Erfurt 24. Juli. 2012 - 09:40

Tatort Erfurt: Neues Ermittlertrio des Mitteldeutschen Rundfunks für Erfurt

Erfurt. Große Freude herrscht in Erfurt über die Entscheidung des Mitteldeutschen Rundfunks. Ab dem Jahr 2013 wird das Ermittlertrio um Kriminalhauptkommissar Henry Funck in den Straßen Erfurts unterwegs sein.

Bekennender Tatort-Fan und Oberbürgermeister Andreas Bausewein zur Entscheidung des mdr: “Dieses junge Team in Erfurt ermitteln zu lassen, ist eine wunderbare Entscheidung für unsere Stadt und wird einen immensen Schub für den Bekanntheitsgrad geben. Deutschlandweit sitzen Millionen vor den Fernsehern und schauen aus ihren Stuben in unsere gute Stube. Eine bessere Werbung für Erfurt kann es gar nicht geben.”

Die erste Ausstrahlung des Erfurter Tatorts ist für Ende 2013 geplant. [5]

Das Wort „Stube“ wird im deutschen Sprachgebrauch heute kaum noch verwendet. Man sagt „Wohnzimmer“. Aber in bemerkenswert mauerfetischistischer Tradition kann Herr Bausewein nicht umhin, sich auch zu solchen Termini hinreißen zu lassen. Was er des weiteren über den Bekanntheitsgrad der Stadt in Verbindung mit einer Krimiserie auf der ARD meint, scheint übertrieben. Doch wenn deutschlandweit und – was sicherlich viel schlimmer sein wird – europaweit die thüringische Landeshauptstadt Erfurt vor allem über eine ostalgische Serie wahrgenommen werden sollte, wird das dem Gefühl, welches die Menschen mit Thüringen verbinden, überhaupt nicht zuträglich sein. Es geht also nicht um die Bekanntheit als solche, sondern um das, was über die Stadt erzählt und vermittelt wird. Aber es wird wohl im Sinne von Andreas Bausewein ( sowie einigen anderen seltsamen Leuten ) sein, also darf er sich wohl freuen auf das, was dem Bürger dort bald zugemutet werden wird.

Man darf sich schon fragen, warum man heute in Erfurt geborenen Kindern ihr zukünftigen Leben erschweren will, auf dass diese sich in 20 Jahren für ihre Herkunft entschuldigen sollen. Dabei spielt für die jüngere Generation das Thema „Ost“–„West“ längst überhaupt gar keine Rolle mehr, außer natürlich für Jungschauspieler und die Figuren, welche sie mimen.

Schauen wir aber noch einmal auf die eingangs erwähnte gmx/web–Meldung und die Namen der Filmcharaktere:

Das jüngste "Tatort"-Team

"Tatort"-Team Erfurt

Der MDR schickt das jüngste Ermittler-Team aller Zeiten an den "Tatort": Benjamin Kramme ( [...], Jahrgang 1982) ist Kriminaloberkommissar Maik Schaffert, Friedrich Mücke (Jahrgang 1981) spielt Kriminalhauptkommissar Henry Funck und Alina Levshin (Jahrgang 1984) ist als Juristin zu sehen, die auf eigenen Wunsch ein Polizeipraktikum absolviert. © MDR/Marco Prosch [6]

Man mag es nicht wahrhaben wollen, aber der neue „Thüringer“ Tatort ist wohl komplett durchkonzipiert als ostalgische Beweihräucherung. Also sind auch die Namen der Protagonisten natürlich entsprechend den Maximen der Mauerfetischisten ausgestaltet worden. So heißt der eine Kommissar natürlich mit Vornamen „Maik“, selbstredend mit „ai“, nicht etwa „Mike“, was vielleicht schon wieder eine Spur zu amerikanisch sein dürfte. Doch gerade in der von den Tatortmachern gewählten Schreibweise steckt gewissermaßen – was die Betreffenden aber fraglos sofort abstreiten würden – ein angedeuteter latenter Antiamerikanismus, welcher dem Publikum als vertrauensbildendes Aperçu kredenzt wird, eine lauwarme Anbiederung gegenüber einem von den Medien unverstandenen Zuschauer, welcher sich hoffentlich einfach nur entsetzt abwendet.

Der Vorname des anderen Kommissars wurde mit „Henry“ sicherlich einem ehemaligen brandenburgischen Boxer entlehnt, dürfte selbiger Name doch deutschlandweit eher rar gesät sein, besonders unter Personen, welche in den 80ern geboren wurden. Wer jetzt fragt, warum man den anderen nicht gleich „Ronny“ und die Praktikantin „Mandy“ genannt hat, verdrängt, dass eine zu auffällige „Ost“–Normierung als zynisch empfunden werden könnte, da obschon man unverhohlen missionieren möchte, bei einer rein zynischen Desavouierung des Freistaates der Bürger am Ende sonst den Braten röche. Trotzdem bleibt da noch ein wenig Spielraum für eine gewagte Hoffnung, nämlich die, dass die Autoren zumindest die Handlung derartig ostalgisch überziehen, dass es bei einem einzigen Film bleiben wird.

 

Quellen:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_M%C3%BCcke

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Kramme

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/13_Semester

[4] http://www.stern.de/kultur/tv/neues-tatort-team-fuer-erfurt-auf-moerdersuche-mit-praktikantin-1863852.html

[5] http://www.jenapolis.de/2012/07/tatort-erfurt-neues-ermittlertrio-des-mitteldeutschen-rundfunks-fuer-erfurt/

[6] http://www.gmx.net/themen/tv/bildergalerien/bilder/269d72a-tatort-ermittler