Kritische Betrachtungen zur Vergangenheitsglorifizierung

24.01.2009 um 00:33 Uhr

Hypnose auf Berliner U – Bahnhöfen

von: catulus   Kategorie: andere Ideologien   Stichwörter: Mission, Stauffenberg, Cruise, Statement

Eigentlich wollte ich hierzu nicht noch einen Text schreiben. Allerdings war ich heute wieder einmal quer durch Berlin unterwegs. Und nein, nicht nur in Tempelhof, sondern überall blickt er hypnotisierend herab. Auf vielen U-Bahnhöfen oder S-Bahn-Stationen sind gar gleich zwei von seinen Portraits plakatiert worden, sein Gesicht, überlebensgroß.

 

Nun muss ich ihn nicht mögen, seine Filme nicht schauen, aber seine Gegenwart ertragen, zumindest visuell beim Umsteigen. Allein das ist schon ein wenig unangenehm. Die Wahlplakate von NPD und SED ( teilweise Linkspartei genannt ) kann man wenigstens zerreißen, auch wenn’s verboten ist.

 

Photogeshopt sowie gleichsam blass und viel jünger wirkend als in diversen Filmausschnitten fokussiert also der Mann mit der Augenbinde sämtliche Passanten.

Aber wer ist dieser Mann? Werfen wir doch mal einen Blick auf einige seiner persönlichen Statements:

  

 

 

Nun zu seinem Film, welcher von der Mainstreampresse erwartungsgemäß als leichte Kost beschrieben wird, die sich indes an die Fakten hält. Man will ja niemandem weh tun, schon gar nicht in Verdacht geraten, etwas gegen die Verbrecher – Organisation zu sagen, oder am Ende als Verschwörungstheoretiker dazustehen. Angesichts der obigen Videos, naja... Allerdings gibt es da ja auch noch die Nischenkritiker, zwei ausgewählte erfrischende Beispiele verdeutlichen, was von dem Film zu erwarten gewesen war:

  

   

Operation Walküre (Review)

 

 

You can serve Germany, or the Fuhrer. Not both.

 

Originaltitel: Valkyrie
Herstellungsland: Deutschland/USA 2008
Regie: Bryan Singer
Darsteller: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Carice van Houten, Bill Nighy, Terence Stamp, Tom Wilkinson, Thomas Kretschmann, Christian Berkel

 

[...]

 

Batzman meint:

 

Mission Total Impossible in der Baldrian-Version. Walküre wirkt wie die Spielszenen einer Guido Knopp-Doku auf Spielfilm-Länge gedehnt. Politische Auseinandersetzung mit der historischen Figur Staufenberg? Fehlanzeige. Irgendeine Form der Charakterentwicklung? Wozu auch. Der Film präsentiert eine erschreckend eindimensionale und flache Weltsicht. Wer Hitler töten will ist gut, egal aus welchen Motiven.

 

Cruise wird als Staufenberg mit stoischer Minimalmimik zur Ikone ohne Persönlichkeit stilisiert. Ob er zur Vorbereitung auf die Rolle nen Sixpack-Botox getrunken hat ist nicht bekannt, sollte aber als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden. Staufenberg soll als Held nicht verstanden oder gar hinterfragt, sondern hingenommen werden.

 

[...]

 

Quelle ( vollständige Rezension ): http://www.fuenf-filmfreunde.de/2009/01/21/operation-walkure/

 

 

und die zweite:

 

Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat

 

 

Geschichte goes Genre. Mit Bryan Singer hat sich ein Meister des visuellen Erzählens des militärischen Widerstands um Oberst Claus Schenk von Stauffenberg angenommen. Der mythisch beladene Held ist Handlungszentrum und bleibt psychologische Leerstelle.

 

[...]

 

Und was ist mit der hierzulande teils erhofften, teils befürchteten mythischen Überhöhung des Claus Schenk von Stauffenberg, auf dem der kathartische Wunschtraum einer Selbstbefreiung der Deutschen vom Nationalsozialismus lastet? Bryan Singer hat sich, inmitten eines plastischen Dramas, für eine Maske entschieden. Es darf weiter projiziert werden.

 

Kritik von Sonja M. Schultz

 

Veröffentlicht am 21.01.2009

 

Quelle ( vollständige Rezension ): http://www.critic.de/filme/detail/film/operation-walk%E3%BCre---das-stauffenberg-attentat-1507.html

 

Beide Kritiker kommen – gleichsam sie eine andere Herangehensweise an das Thema zeigen – zu einem ernüchternden Schluss. Doch liegt es wirklich - wie Sonja Schultz meint - am Regisseur oder ist es doch eher der zombiehaft wirkende Cruise, welcher aufgrund seiner langjährigen Aktivität in einer Organisation und durch die damit einhergehende Gehirnwäsche gar nicht mehr wirklich denken, geschweige denn halbwegs vernünftig schauspielern kann?

 

Es fällt mir zudem schwer, die geschichtlichen Hintergründe zu bedenken, mich mit einer potentiellen Faktennähe beschäftigen, solange ich weiß, wessen One – Man – Show dem Film die eigentümliche Note aufzwingt, die jede Objektivität ununterstellbar werden lässt.

Am Geschichtsbild, welches Deutschland von sich selbst in den letzten Jahrzehnten erworben hat, kann und darf dieser Film nichts ändern, verhilft er aber durch seine Präsenz dazu, gerade den öffentlich-rechtlichen Sendern einige Reportagen zum Thema abzunötigen, welche sich explizit mit der Nazizeit befassen. Solange man sich auf diese Reflexe – die vor allem zum Schutz eines naiven Publikums sinnstiftend sind – noch verlassen kann, darf man über den Film zumindest eines sicher sagen: Er zwingt uns zum unverstellten Blick in die Geschichte, um jeglicher Fehlinterpretation und damit verbundener Scheinargumentation von Seiten obskurer Gruppierungen gewachsen zu sein.

 


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