ungebremst ins Chaos

13.02.2010 um 13:41 Uhr

Schwer vorstellbar

Gestern war ich auf Papas Trauerfeier. Also, nicht mein richtiger Vater sondern nur der, der mich so quasi "adoptiert" hat, weil ich seit ich 15 war mit seiner Tochter befreundet bin und etwa genauso lange dort ein und ausgehe. Letzten Sommer wurde bei ihm ein irreparabler Gehirntumor festgestellt und seit dem hat er mehr oder weniger auf den Tod gewartet. Erst war er im Kopf nicht ganz klar, konnte vieles nicht begreifen oder bei Gesprächen mithalten, dann war er wieder voll bei Verstand aber sein Körper machte nicht mehr so mit. Aber obwohl er wusste, dass er in absehbarer Zeit sterben wird, ließ er sich nicht hängen.

So war er eben. Sorgte sich um alles und jeden, aber als letztes um sich selbst. Am Montag ist er dann eingeschlafen. Und auch wenn uns allen klar ist, dass das für ihn auch eine Erlösung war, tröstet uns das nicht so recht. Es fühlt sich auch noch nicht so an, als wäre er tatsächlich tot. Es ist, als könnte noch jeden Moment die Tür aufgehen und er steht mit einem lachenden Gesicht und einem "Ätsch, ich hab euch verarscht" im Raum. So war er eben auch. Immer für einen Spaß zu haben. Er hat auch mal gesagt, es sei ganz "schön blöd" dass er jetzt "nicht mehr ganz richtig im Kopf" sei und dass er "noch gar keine Zeit zum Sterben" hat. Und wir sollten bloß nicht die ganze Zeit mit Trauermienen um ihn herumlaufen, das könnte er nicht mitansehen.

Und jetzt ist er irgendwo da oben. Naja, die können einen optimistischen Spaßvogel wie ihn sicher als Stimmungskanone gebrauchen. Auch wenn er uns hier unten ganz schön fehlt.