ungebremst ins Chaos

02.08.2014 um 15:41 Uhr

Wenn es falsch ist...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

... warum fühlt es sich dann so verdammt gut an?

Die Party endete nach Mitternacht. Juli und ich räumten auf und setzten uns danach noch ein wenig auf den Balkon. Laue Sommerabende mit Sternenausblick sollte man genießen wenn man die Möglichkeit hat. Trotzdem wurden wir irgendwann von der Müdigkeit eingeholt. Er ging ins Bad, ich genoss noch ein wenig den Ausblick. Ich ging ins Bad, er räumte die Stuhlkissen vom Balkon.

Juli: "Du schläfst aber jetzt schon im Bett?"

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Ich grinste ihn an. Beim Aufräumen hatte ich schon gesehen, dass in seinem Schlafzimmer-Getränkelager eine zweite Garnitur Bettwäsche auf dem Bett lag.

Ich: "Ja, sonst müsste ich jetzt zum Auto gehen und die Klappmatratze holen und dazu habe ich keine Lust"

Juli: "Du hast eine Klappmatratze im Auto?"

Er schüttelte den Kopf. Das Licht im Wohnzimmer ging aus und wir gingen ins Schlafzimmer. Ich kroch unter meine Decke, er unter seine.

Juli: "Wer hätte das gedacht..."

Ich: "Dass ich schon wieder in deinem Bett lande..."

Juli: "Schon wieder? Wie das klingt..."

Ich: "Hast Recht. Das letzte Mal ist gefühlte hundert Jahre her."

Licht aus, schlafen. Ganz harmlos.

Mitten in der Nacht legt sich sein Arm schwer um mich. Ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass mich das so erschrecken würde dass ich beinahe aus dem Bett falle. Was allerdings mit der Tatsache geschuldet gewesen wäre, dass ich nur gefühlte 5% der Matratze zum Schlafen hatte. Ich hatte irgendwie verdrängt, dass er so ein einnehmendes Wesen hat wenn er schläft. Ich war einigermaßen wach und nahm mir die Zeit, über  meine Reaktion nachzudenken. Wegschubsen oder liegen lassen? Wegschubsen wäre auf Grund meiner privaten Situation objektiv wahrscheinlich die richtigste und einzig akzeptable Reaktion gewesen. Subjektiv gesehen fühlte sich liegen lassen aber einfach zu gut an. Also Augen zu und weiter schlafen.

6 Uhr früh.

Ich habe keine fünf Stunden geschlafen, aber ich bin hellwach und muss erstmal aufs Klo. Dann krieche ich wieder unter meine Decke. Es ist taghell und an Schlaf ist nicht zu denken. Ich liege still im Bett und sehe Julius beim Schlafen zu. Das ist wie damals beim "Babyfernsehen". Meine Schwester erzählte mir nämlich nach der Geburt eine ganze Weile, sie bräuchte keinen Fernseher mehr weil sie eh nur das Baby ansehen würde - also "Babyfernsehen". Juli sieht so friedlich und entspannt aus wenn er schläft, da kann man sich vorstellen wie seine Kinder später aussehen. Volle Lippen, Stupsnase... aber ohne lästige Bartstoppeln.

Meine Hand lag reglos in seiner und wenn ich die Augen zugemacht habe, wusste ich nach einer Weile nicht mehr ob meine Hand tatsächlich noch dort liegt oder nicht. Sie waren quasi miteinander verschmolzen.

Kurzes Blinzeln von Juli. "Wieso grinst du?"

Gegenfrage von mir: "Wäre es dir lieber ich würde traurig gucken?"

Daraufhin grinste er und schlief prompt wieder ein. Und ich guckte weiter "Juli-Fernsehen". Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so anfühlen würde. Ich war sowas von tiefenentspannt.

Als ich morgens von "Urwaldgeräuschen" oder wie auch immer er seinen komischen Weckton bezeichnet, langsam aus meinen Tagträumen gerissen wurde, passierte etwas, das ich damals nie für möglich gehalten hätte. Ich wünschte mir sein krähendes Huhn zurück. Dieses Elend nervige Weckerungetüm das mich so oft so unsanft aus dem Schlaf gerissen hat. Der Vorteil des Weck-Huhns ist nämlich der, dass man ihm eins aufs Dach gibt und dann Ruhe ist. Die Urwaldgeräusche machten immer eine kurze Pause und fingen dann schon nach gefühlten zwei Minuten wieder an (tatsächlich waren es 5 aber was macht das schon für einen Unterschied?).

Eine 3/4-Stunde später als geplant quälen wir uns aus dem Bett.

Juli: "Bin ich eigentlich der erste Mann, mit dem du das Bett teilst seit du verheiratet bist?"

Ich grinse ihn an. "Ja. Wieso?"

Keine Antwort.

Juli macht Kaffee. Wir decken zusammen den Frühstückstisch.

Juli: "Warum bin ich eigentlich der Mann, der für die Premieren in deinem Leben zuständig ist?"

Ich: "Keine Ahnung. Zufall."

Juli: "Oder Schicksal."

Schicksal. Es klingt irgendwie merkwürdig wenn ein Mann in diesem Zusammenhang über Schicksal redet und ich zwinge mich, darüber nicht weiter nachzudenken. Ich habe genug damit zu tun, mich mit meiner dunklen Seite anzufreunden.  Aber er hat schon irgendwie Recht. Manchmal passieren Dinge, vor denen man einfach nicht weglaufen kann. Manche Dinge sollen einfach passieren. Wie sonst sollten wir lernen? Oder uns weiterentwickeln? Herausfinden wer wir sind, was wir wollen oder ob wir vielleicht einen Fehler gemacht haben den wir jetzt geraderücken sollten.

Mein Zeitfenster für den Weg zur Arbeit ist denkbar knapp kalkuliert. Jedenfalls wenn man bedenkt, dass Samstagmorgen ist und die halbe Welt jetzt einkaufen geht.

Ich: "Passt schon. Ich habe ein schnelles Auto. Und einen Bleifuß."

Juli: "Fahr vorsichtig, wir brauchen dich noch." Kurze Pause um dem Satzanhang mehr Gewicht zu verleihen. "Ich auch."

Juli ist sehr zurückhaltend was solche "Gefühlsäußerungen" angeht, deshalb wirkt dieser Nachsatz ganz besonders.

Zwei Stunden später erntet auf einem Campingplatz eine fröhlich pfeifende und singende Putzfrau im Waschhaus beim Putzen irritierte Blicke...

01.08.2014 um 14:30 Uhr

Meine dunkle Seite

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Gestern Abend wollte ich früh ins Bett gehen. Eigentlich. Dann habe ich aber noch eine Talkshow zum Thema "Freundschaft" gesehen und als die zu Ende war, war es kurz vor Mitternacht. Okay, dachte ich, bleib ich noch ein paar Minuten auf und wahre mir die Chance, Julius als erstes zum Geburtstag zu gratulieren.

Kurz nach zwölf schickte ich im eine SMS so nach dem Motto "herzlichen glückwunsch, ich würde ja gerne kommen aber bei der Strecke lohnt es sich nur wenn ich bis zum Frühstück bleibe". Gar nicht so unkreativ wie ich fand, legte mich hin und wollte schlafen.

Summ Summ.

Oh Mann, denke ich, der Typ ist noch auf.

Juli: "Willst du eine Einladung?"

Ich: "Würde ich eine bekommen?"

Juli: "Gegenfrage *Grinsesmiley*"

Ich: "Ich dachte du kennst mich so gut, dass ich darauf nicht antworten muss *Grinsesmiley*"

Juli: "Komm vorbei."

 So schnell kommt man an eine Einladung zum Frühstück. Faszinierend. Besonders viel geschlafen habe ich dann allerdings nicht mehr. Ich war nämlich wieder hellwach.

Heute Mittag auf dem Weg in den Supermarkt meldet sich mein Handy zu Wort.

Juli: "Du weißt schon, dass ich nur ein Bett habe?"

Nein, denke ich mit einem Hauch Ironie, ich dachte Singles hätten immer zwei Betten in der Wohnung. Grins.

Ich: "Ja, aber das heißt ja nicht, dass ich da drin schlafen muss... Aber offensichtlich bist du bereit zu teilen, sonst hättest du mich wohl nicht eingeladen."

Juli hat nämlich ein äußerst bequemes Sofa und ich fahre seit drei Jahren meinen Schlafsack spazieren, da ich ja schon öfter mal "gezwungen" wurde eine Party zu verlängern und bis zum nächsten Morgen zu bleiben. Und ich liebe das, denn so spontane Aktionen sind noch immer die besten. Es kann ja nicht schaden, für sowas vorbereitet zu sein. Außerdem hab ich neulich so eine ausklappbare Gästebettmatratze gekauft die noch im Kofferraum herumliegt. Und im Zweifelsfall fahre ich einfach wieder nach Hause, auch wenn das ökonomisch totaler Blödsinn wäre.

Manchmal muss man einfach ein bisschen verrückt sein.