ungebremst ins Chaos

24.07.2016 um 18:45 Uhr

Zwei Wochen, drei Tage...

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Insgesamt -5kg seit dem EM-Halbfinale. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde, dass meine Waage jetzt wieder freundlichere Zahlen anzeigt seit... keine Ahnung, ich weiß nicht mehr wann, aber die Tatsache, dass man Hunger hat und sobald das Essen vor einem steht ein Knoten im Hals ist und man denkt "Essen? Och nöö", die war doch schwer gewöhnungsbedürftig. Der Knoten ist inzwischen - meistens - weg, aber so richtig Appetit habe ich - zum Glück - immer noch nicht.

Die meiste Zeit bewege ich mich auf einem relativ neutralen Level, es darf allerdings nicht zu ruhig werden, denn dann stehen mir ruckzuck wieder die Tränen in den Augen. Es ist halt alles nicht so einfach. Klar können jetzt eine Menge Leute jetzt wieder damit loslegen mir gute oder gut gemeinte Ratschläge zu geben und vermutlich würde ich dasselbe tun, wenn jemand mir so eine Story erzählen würde, aber letztendlich muss ja doch jeder seinen eigenen Weg finden. Denn auch wenn jemand schonmal so etwas in der Art erlebt hat, trägt doch jeder seine eigene (Vor-)Geschichte mit sich herum die es einem manchmal ungleich schwerer macht, etwas/das Richtige (was immer das sein mag) zu tun. In solchen Momenten fände ich es hilfreich es gäbe einen Knall oder etwas ähnliches und das Problem ist gelöst.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Ich hatte letzte Woche so eine Phase in der ich verdammt nochmal scheißwütend auf Jan war - und es zu einem gewissen Grad immer noch bin. Ich meine, er weiß, dass ich verheiratet bin, er weiß (vermutlich von meiner Freundin auf die ich im übrigen auch irgendwie wütend bin) dass ich unglücklich bin und was macht er? Gräbt mich hemmungslos an und legt mich dann mehr oder weniger flach.

Ja, ich weiß, jetzt schreien ein Haufen Leute, ich sei doch selbst Schuld, ich habe schließlich mitgemacht. Ja, aber...

Jeder der mich kennt weiß, dass es mir noch so schlecht gehen und ich noch so besoffen sein kann, ich würde NIEMALS den ersten Schritt machen. Flirten, ja, tue ich wie ein Weltmeister wenn ich angetüdelt bin, aber von mir aus einen Typen küssen nur weil ich besoffen und unglücklich bin? Nö. Da bin ich dann doch schüchtern. Schwer zu glauben, ist aber so.

Jedenfalls... Ich kapiere einfach nicht warum. Warum ich? Warum ausgerechnet ich?

1. Theorie
Ein schlechter Tag in Kombination mit Alkohol.
Naja, nach drei Gläsern Bier und einem Glas Cola-Schnaps sind weder er noch ich besoffen sondern noch ziemlich klar bei Verstand, auch wenn meine Zunge da schon etwas lockerer ist. Aber ich würde mal nicht ausschließen, dass mich diese Kombination ein wenig empfänglicher für dererlei "Dummheiten" gemacht hat.

2. Theorie
Er ist ein A****, hatte Notstand oder sowas und dachte sich einfach mal gar nichts dabei
Fällt weg. Ich kenne Jan ja nun schon ein paar Jahre und so schlecht ist meine Menschenkenntnis nicht, dass ich einen Vollhorst nicht erkenne wenn er vor mir steht - egal ob nüchtern oder besoffen.  Mal abgesehen davon, wenn ihm das alles so egal wäre, wäre ihm verheiratet und unglücklich auch egal gewesen und er hätte keinen Ton darüber verloren.

3. Theorie
Nein. Nicht möglich. Oder?  Es kommt mir etwas merkwürdig vor es auch nur in Erwägung zu ziehen, aber... Er steht vielleicht irgendwie auf mich.
Oh man, wenn ich das schreibe fühlt es sich noch komischer (im Sinne von merkwürdig) an als wenn ich es auch nur ansatzweise denke. Liegt wohl an meinem gestörten Verhältnis zu Männern in Kombination mit meinem merkwürdigen Sicht auf mich selbst.
Okay, Theoriebegründungsversuch. Er flirtet mit mir, ständig (im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass er das jedes Mal tut wenn wir uns treffen, wobei mir das früher nie so bewusst war). Er hat gesagt, ich wäre optisch genau sein Typ (zugegeben, mein erster Impuls war, zu lachen weil mir das so absurd vorkam - gestörtes Selbstbild und so - aber so wie er mich dabei angesehen hat, fühlte es sich doch so an, als sei das sein Ernst). Er wusste, dass ich unglücklich in meiner Ehe bin (das interessiert keinen "normalen" Mann mit dem man kaum zu tun hat und selbst wenn er sowas mal hört, das vergisst er dann doch wenn es ihn nicht aus wichtigen Gründen beschäftigt, oder?).

AAAAHHHHHHH!
Sorry, mir war gerade mal nach Schreien.

17.07.2016 um 07:54 Uhr

Merkwürdige Träume

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Was habe ich in der letzten Zeit nicht alles für merkwürdige Sachen geträumt. Meistens kamen Schauspieler drin vor und zwar in der Rolle, in der ich sie das letzte Mal im Fernsehen gesehen habe. Sie waren alle älter als ich und ich steckte in einer Beziehung mit dieser Serienfigur. Zum Beispiel ein FBI-Agent und einer beim NCIS. Ehrlich, das war so bescheuert, dass ich es schon wieder irgendwie niedlich fand. Zumal diese Träume in einer "glücklich"-Phase einer Beziehung.

Und dann kam heute Nacht. Zugegeben, das Sommerfest gestern und der dazugehörige Alkohol (nein, ich war nicht besonders betrunken, da ich mich ziemlich lange mit Wasser durchgeschlagen habe) haben wohl dabei einen gehörigen Einfluss auf mein Unterbewusstsein gehabt. Nachdem ich also den wummernden Bass vom Sportplatz und die leuchtende Straßenlampe soweit ausgeblendet hatte, dass ich schlafen konnte, schlief ich gegen halb 2 ein. Ein Hoch auf die Erfindung der Hörbücher...

Zurück zum Thema. Also, der Traum.

Ich hatte besagtes Sommerfest nicht verlassen sondern irgendwie durchgehalten bis nur noch eine Hand voll Leute dort waren, unter anderem Jan und ich. Ich bin nur seinetwegen dort geblieben weil ich mit ihm über das, was passiert ist, reden wollte. (Ja, es ist so einer dieser - ich verarbeite meine Erlebnisse-Traum) Wir saßen draußen vor dem Küchenfenster auf einer Bank und fingen an zu reden, bis drinnen das Licht aus ging. Da Jan noch irgendwas drinnen liegen hatte, ist er schnell reingelaufen um es zu holen. Einer aus der Dorfjugend - nennen wir ihn Lukas -  kam und setzte sich zu mir. Wenig später hörten wir Stimmen. Jan und eine jüngere Frau tauchten am Rand unseres Blickfeldes auf und stritten diskutierten mal mehr und mal weniger laut, so dass Lukas und ich ein paar Satzfetzen aufschnappten.
In meinem Hals bildete sich ein Kloß im Hals als mir klar wurde, dass die Frau Jans Freundin (Mutter seiner Tochter - die er im wahren Leben allerdings nicht hat) war, die in seinem Handy rumgeschnüffelt hat und so darauf gekommen ist, dass er was mit einer anderen hatte (was laut ihren Anschuldigungen nicht das erste Mal gewesen sein soll). Sie kam mir zwar irgendwie besitzergreifend und kontrollsüchtig vor, aber sie war blond, schlank und ziemlich hübsch und Jans Tonfall nach zu urteilen kam es mir vor als versuchte er alles, um sie zu beruhigen und sich irgendwie rauszureden.
Seufzend sah ich zu Boden.
   "Ich dachte, das wäre erledigt", sagte Lukas verwundert - mehr zu sich selbst und ich sah ihn ein wenig irritiert an als mir klar wurde, dass er Jan und seine Freundin meinte. Dann sah er mich an. "Wolltet ihr nicht reden?"
Schulterzuckend stand ich auf. Ich hatte wirklich keinen Bedarf, mir diese Szene weiter anzusehen. Zumal ich Jan irgendwie verstanden habe, schließlich ging es ihm auch um seine Tochter, die er wirklich abgöttisch liebte und die er weiter so oft wie möglich sehen wollte.
Auch Lukas erhob sich, aus dem Gebäude kam noch jemand anders und Jan und seine Freundin hörten auf zu diskutieren. Lukas war zwei Schritte von Jan entfernt als er mit einem Nicken auf mich deutete und mit ernstem Ton zu Jan sagte: "Hattet ihr nicht noch was zu klären?"
Ich sah Jan entsetzt an während Jans wütender Blick mich traf, so als wolle er sagen "spinnst du, das JETZT zu wollen?". Der Kloß in meinem Hals wurde größer, doch eine Sekunde später kam mir der Gedanke, dass ich an dem ganzen Schlamassel ja nicht allein Schuld bin und dass er nicht das Recht hat, mir das Gefühl zu geben ich sei die einzige, die das zu verantworten hat. Das widerum machte mich wütend.
   "Hast du sie noch alle?" pampe ich ihn an. "Weißt du eigentlich, wie scheiße es mir geht seit... und..."
   "DIR geht es scheiße?" schreit er fast zurück. "Ich habe drei, vier, fünf, sechs Tage lang darauf gewartet, dass du anrufst und dich meldest...
   "Ich musste drei Tage lang Rollkragenshirts anziehen wegen den Knutschflecken, die du..."
Der PAUSE-Knopf in meinem Gehirn wird gedrückt. Moment mal... Wie er hat gewartet, dass ich anrufe? Ich hab ihm doch geschrieben. Vielleicht war's die falsche Nummer, immerhin war ich besoffen als er sie mir verraten hast. Und überhaupt, so wie mich ansieht und dass er so sauer ist... heißt das vielleicht, dass ich ihm nicht ganz so egal bin wie ich dachte?

In solchen Träumen ist es dann so wie in guten Mehrteilern. Gerade wenn du echt wissen willst, was als nächstes passiert, ist es vorbei. Nur, dass man bei Mehrteilern den Vorteil hat, dass man weiß, wann es weiter geht und im Zweifelsfall immer noch eine Wiederholung oder das Internet zur Verfügung hat um seine Neugier zu befriedigen. Bei Träumen funktioniert das leider nicht.

Das Sommerfest gestern war ganz nett - auch wenn es die Bezeichnung "Sommer" im Namen nicht verdient hatte, bei Temperaturen um die 20 Grad und bedecktem Himmel. Ich ging nach dem Fußballturnier nach Hause um mich aufzuwärmen und mir einen Pullover anzuziehen. Später wollte ich dann noch mal kurz zum Sommerfest um mit ein paar Bekannten zu quatschen und weil ich - wie meine Freundin es gestern zu später Stunde so treffend anmerkte - "leben" wollte. Deshalb ließ ich mich auch zu einer Runde Flunkyball überreden (für diejenigen, die das nicht kennen - es ist ein Trinkspiel bei dem das Ziel ist so schnell wie möglich eine Flasche Bier zu leeren, wobei das nur sehr grob formuliert ist. Wen es interessiert, einfach mal googeln).

Jan kam irgendwann auch vorbei und ignorierte mich wie erwartet jedes Mal als unsere Wege sich zufällig kreuzten. Das hat er damals, nach unserem ersten alkoholbedingten Absturz (bei dem allerdings nichts weiter passiert ist als dass ich auf seinem Schoß saß) schon getan. Aber auf so einer Dorfparty kann man sich nie zu 100% aus dem Weg gehen und so kreuzten sich unsere Wege gezwungenermaßen kurz nach Mitternacht als unsere jeweiligen Sauf- Gesprächspartner uns zusammenbrachten. Also taten wir für fünf Minuten als wäre nichts passiert, tranken und warteten geduldig bis wir es überstanden hatten.
Ehrlich gesagt hatte ich darüber nachgedacht so lange zu bleiben bis nur noch wenige übrig sind, dann zu gehen und mich dann in die Bushaltestelle zu setzen um ihn abzupassen. Doofe Idee, weiß ich, deshalb bin ich auch nach Hause gefahren. Trotzdem will ich eigentlich unbedingt mit ihm reden damit wenigstens auf der Ebene ein wenig Klarheit herrscht.

12.07.2016 um 22:59 Uhr

Ich habe einen Knoten im Hals

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Wer mich kennt weiß, dass - wenn man mich zu irgendwas überreden oder bequatschen will - man mir einfach nur etwas leckeres zu Essen in Aussicht stellen muss. Dass ich außerdem esse wenn ich glücklich oder unglücklich bin, wenn mir langweilig ist oder ich etwas geschafft habe wofür ich meiner Meinung nach eine Belohnung verdient hätte. Kurz gesagt, ich esse eigentlich immer.

Ich aß.

Denn im Moment sagt mein Magen beim Anblick von Essen: Lass es lieber, sonst kommt es postwendend wieder raus. Okay, wenn ich dann etwas esse kommt es nicht wieder raus, aber ich esse tatsächlich nur, weil ich ja irgendwoher ein bisschen Energie bekommen muss. Ich bin jetzt noch erstaunt wie ich am Sonntag (nachdem ich eine Scheibe Brot gefrühstückt habe) 11 Stunden arbeiten konnte ohne eine Pause (mal abgesehen von 5 Minuten) zu machen und überhaupt keinen Hunger zu haben. Und das in einem Restaurant in dem es wirklich leckeres Essen gibt. Ich bin ja sowieso ganz fasziniert davon, dass ich in einem Restaurant arbeiten kann ohne ständig etwas essen zu wollen... Ich mag nichtmal ofenwarme Brötchen mit Nutella. Diese Aussage würde meinem Vater sicher noch ein paar graue Haare bescheren - sofern er denn noch Haare hätte - denn seit ich vier Jahre alt war geht Nutella bei mir eigentlich immer.

Der Vorteil an einer solchen Ess-Blockade ist, dass man dabei ganz prima abnimmt. Und bevor jetzt einer aufschreit von wegen gesunder Ernährung und so - ich esse ja, nur nicht ständig und nicht so viel wie früher (was eh zuviel war, ich bin ja nicht vom Fasten fett geworden) und Obst und Gemüse ist auch dabei.

Der Nachteil ist jedoch, dass das Gefühl, sich quasi jederzeit übergeben zu können, schon ziemlich nervt.

Nein, ich brauche keine Erklärungen, ich weiß woran das alles liegt.

09.07.2016 um 19:34 Uhr

Kater werden mit dem Alter immer ausdauernder...

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

... bevor Missverständnisse entstehen, ich meine den Kater nach dem Alkohol.

Früher: drei Tage saufen, ein Tag krank
Heute: ein Tag saufen, drei Tage krank

Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ich mag heute tatsächlich noch weniger essen als gestern (da dachte ich auch noch, fettiges Essen könnte helfen...).

Ich hatte eigentlich geplant, nach der Arbeit noch eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen - mir ein bisschen den Kopf durchpusten lassen - doch als ich nach draußen kam fing es an zu regnen und es will einfach nicht aufhören. Soviel also zum Thema frische Luft.

Die Zeit seit dem Feierabend verbringe ich also damit, das Chaos in meinem Kopf ein wenig zu ordnen was mir leichter fällt als gestern, danach aber auch nicht weniger chaotisch ist - nur eben geordnet.
Die Fragen stapeln sich sorgfältig übereinander anstatt wild durch meinen Kopf zu purzeln, die ersten (minimalen) Erinnerungslücken tun sich auf und ich weiß inzwischen, dass dieser Blog der einzige Ort ist, an dem ich in halbwegs sicherem Rahmen über das alles reden kann - nachdem meine Freundin gestern mit Salz nur so um sich geschmissen hat (von wegen in die Wunde streuen und so, was ich gelinde gesagt ein wenig ungerecht fand, wo sie doch selbst im sprichwörtlichen Glashaus sitzt...). Aber okay, immerhin habe ich diesen Blog, das ist doch schon was.

Man neigt ja dazu, sich an manche Ereignisse anders zu erinnern als sie in Wirklichkeit waren, das schont das Gehirn und löscht kleine negative "Nebengeräusche" dieser Erinnerungen einfach aus. Das ist auf der einen Seite ziemlicih praktisch, es würde mir jedoch helfen, wenn dieser Filter erst nach zwei bis drei Tagen einsetzt, da mir die Zeit fürs sortieren gerade ein wenig fehlt.

Ich war ganz froh, dass ich heute im Restaurant Frühschicht hatte, wobei die ersten Stunden irgendwie überhaupt nicht vorbei gehen wollten und ich dann irgendwann das Gefühl hatte, die einzige zu sein, die richtig arbeitet. Aber ich will mich mal nicht beschweren, die Kasse klingelt ja schließlich mit jeder Stunde, die ich da rumlaufe. Außerdem lenkt es ganz gut ab und das habe ich manchmal ziemlich nötig.

08.07.2016 um 21:51 Uhr

Ich Katastrophenkind...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Nachdem ich mich im Mai erfolgreich vom Traditionsfestbesäufnis ferngehalten habe um nicht wieder im alkoholisierten Zustand Dinge zu tun, die ich hinterher bereue bereuen sollte und vor allem, um nicht wieder tagelang mit den Nebenwirkungen des Alkohols zu kämpfen, war ich fest davon überzeugt, das Schlimmste überstanden zu haben. Und dann kam gestern...

Wenn ein großes Fußballereignis ansteht ist es in der Clique so sitte, sich zum Grillen zu treffen und dann gemeinsam das Spiel anzuschauen - natürlich das eine oder andere Bier dabei zu trinken und sich nett zu unterhalten. Nachdem ich das fünfmal mitgemacht hatte, beschloss ich, das Halbfinale beim Public Viewing der Dorfjugend anzusehen. Ich hatte bei der WM dort wirklich nette Abende und so machte ich mich in der Hoffnung, mal wieder einen ebensolchen zu verbringen, auf den Weg. Das Trikot hatte ich aus Aberglaube nicht gewaschen sondern nur ausgelüftet, weil wir ja immerhin so bis ins Halbfinale gekommen sind und ich ein wenig  Bammel vor den Franzosen hatte.

Ich fläzte mich mit einer Freundin auf eins der Sofas und wir genehmigten uns das erste Bier. Ich ließ meinen Blick durch die Reihen und hinter die Theke wandern. Ein paar Gesichter konnte ich Namen zuordnen und bei den restlichen Gesichtern war mir wenigstens klar, wo ich sie in etwa zuordnen muss.
Mein erster Kommentar zum Spiel "na super, ein Italiener pfeift, das wird übel" und so sah es dann ja auch aus - nicht unbedingt schön aber noch nicht katastrophal. Hin und wieder kam noch der eine oder andere zu uns und - neugierig wie ich bin, guckte ich jedes Mal zur Seite.

Jan. Lässig in Jeans und kunstledener Jacke schlenderte er durch den Raum und machte es sich hinter der Theke auf einem Barhocker bequem. Nicht ständig hinsehen.... Nicht so auffällig hinsehen...

Ende der ersten Halbzeit. Treffpunkt vor der Tür zur Raucherpause. Ich rauche zwar nicht aber ganz alleine oben hocken während der Rest den neuesten Tratsch austauscht geht natürlich auch nicht. Jan und ich wechseln ein paar Worte.
Zweite Halbzeit. Mit Chips und mehr Bier verfolgen meine Freundin und ich das Spiel, das bekannterweise 2:0 für die Franzosen endet und uns nicht in Jubelstürme verfallen lässt. Statt dessen stehen wir nach Spielende auf und ich nehme meine Tasche. Jan sieht mich mit großen Augen an. "Du willst doch nicht ernsthaft ohne Frustsaufen nach Hause fahren?" Ich lächle ihn schulterzuckend an. "Mal sehen, vielleicht komme ich gleich noch mal kurz rauf."

Nach einer weiteren Raucher- / Tratschpause während der sich die meisten verabschieden, da es ja mitten in der Woche ist und auf die meisten von uns ein Arbeitstag wartet. Jan richtet einen fragenden Blick auf mich "Cola-Korn?" Ich seufze ergeben, es ist schwer ihm was abzuschlagen. "Also gut, einen."

Wir sitzen zu viert bei viel zu lauter Musik und laufendem Fernseher an der Theke und leeren das erste Glas. Dabei werden ziemlich flache Witze gerissen - was ich durch meine Ausbildung und den Job ja gewohnt bin - es werden Videos von Traktoren gezeigt, über die Arbeit geredet und Jans Hausbau bequatscht.
Der erste verabschiedet sich, wir sind noch zu dritt. Das nächste Glas Cola-Korn, die Musik wird ein bisschen leiser gemacht und es wird munter weiter diskutiert und in Erinnerungen an frühere Parties geschwelgt. Mini (der jüngste in unserer geselligen Runde) verschwindet zur Toilette und Jan, der hinter der Theke steht während ich auf einem Hocker davor sitze sieht mich an. "Also, ich wüsste schon wie ich dich jetzt auf Touren bringen könnte" bemerkt er und ich weiß ums verrecken nicht mehr, wie wir auf dieses Thema gekommen sind, aber das ist ja letztendlich auch egal. Ich beuge mich leicht vor und sehe ihn herausfordernd an. "Ach, tatsächlich? Wie denn?" Statt zu antworten, kommt er um die Theke herum zu mir. Ich rutsche vom Hocker und bereite mich innerlich vor auf das, was kommt, obwohl ich null Ahnung habe, was in seinem Kopf gerade vor sich geht. Er bleibt hinter mir stehen, seine Hände streicheln meine nackten Oberarm und dann spüre ich seine Lippen, seine Zunge und seine Zähne an meinem Hals, wo er mich kurz küsst, dann leicht beisst und sich schließlich kurz festsaugt. Es dauert nicht viel länger als ein paar Sekunden, doch mein Körper reagiert sofort. Ich bekomme eine Gänsehaut und atme hörbar ein.
"Siehst du", bemerkt er und seine Stimme hat einen triumphierenden Klang, "es funktioniert."
Ich bin so perplex, dass mir gerade mal die Worte fehlen, statt dessen drehe ich mich  zu ihm und sehe ihn mit einer Mischung aus Überraschung, Fassungslosigkeit und Erregung an.  Er steht einfach da und sieht mich mit einem "hab ichs nicht gesagt"-Lächeln an.
"Ein bisschen länger und ich hab dich in der Hand", grinst er.
"Du hast sie nicht alle" erwidere ich möglichst locker obwohl nicht eine leichte Anspannung spüre. NOCHMAL! brüllt meine innere Stimme, ich will mehr davon!
"Gib's zu, es hat dich angemacht."
Ich schweige.
"Na?"
"Ja", ich seufze ergeben, "ja, hat es."

Der Abend schreitet fort. Jan klettert auf einen Flutlichtmast (und ich sehe schon einen Krankenwagen samt Notarzt hier stehen und mich und Mini in Erklärungsnot), Jan und Mini tanzen eine Runde Discofox vor der Leinwand, es gibt noch was zu trinken, wir sammeln die Gläser ein die noch auf den Tischen stehen und dann verabschiedet sich Mini von uns. Netter Abend, denke ich und freue mich auf mein Bett. Wir werden hier alles ausmachen und dann auch gehen.
Denkste.
Wir machen vernünftige Musik an (die Toten Hosen), reden über Sex - vor allem über den Orgasmus der Frau (ja, es war irgendwie schräg) - und darüber, wie eine Mann bzw. eine Frau so gebaut sein sollte. Als wäre es das normalste auf der Welt erklärt er schließlich, ich wäre genau sein Typ und ihm würden gerade eine Menge Dinge durch den Kopf gehen, die er mit mir anstellen würde. Ich war mal wieder sprachlos - kam öfter vor an dem Abend - machte aber nichts, denn kurz darauf lagen wir uns knutschend in den Armen. Verdammt fühlt sich das gut an, aber ich sollte echt langsam nach Hause, die Nacht wird noch kurz genug... aber es fühlt sich echt soooo gut an...

KLIRR! Eine Flasche und zwei Gläser segeln zu Boden und zerschellen in diverse Einzelteile. Ein Geräusch, dass uns schlagartig in die Wirklichkeit zurückholt. Wir sehen lösen uns voneinander, sehen uns einen Moment schweigend an und beseitigen dann die Scherben. In einem plötzlich aufkommenden Fluchtreflex gehe ich durch den Raum Richtung Tür.
"Wo gehst du hin?" fragt er.
Ich bleibe stehen und drehe mich um. "Ich.. brauch frische Luft."
"Geh doch ans Fenster."
Ich biege ab, öffne das Fenster und atme tief durch. Wieso? Wieso mache ich schon wieder so einen Blödsinn? Blöde Frage, weil es sich gut anfühlt und weil ich lange nicht mehr das Gefühl hatte gewollt zu werden.
Ich sehe auf den Fußballplatz, draußen wird es hell, und atme weiter durch in der Hoffnung, das komische Gefühl in meinem Magen würde dadurch verschwinden. Ich höre wie Jan auf mich zu kommt.
"Ist besser das wir aufgehört haben" sagt er und sein warmer Arm berührt meinen als er sich neben mich stellt.
"Ich weiß." erwidere ich und bin trotzdem etwas wehmütig.
"Obwohl mir das gerade wirklich echt nicht leicht fällt. Ich könnte dich jetzt da auf den Tisch... Aber du bist verheiratet, das wäre nicht okay. Und ich hab ja auch eine Freundin."
"Ich weiß."
"Aber leicht ist das wirklich nicht." Seine Arme schlingen sich von hinten um meinen Körper, seine Hände legen sich mit festem Griff um meine Brüste und ich spüre wieder seinen gierigen Mund an meinem Hals. Willig lehne ich mich bei ihm an und neige den Kopf leicht.
Er dreht mich um, unsere Lippen finden sich, Hände gleiten über den Stoff und darunter, sowohl seine als auch meine. Seine Hände packen mit festem Griff die Unterseite meiner Oberschenkel und er hebt mich auf die Fensterbank. Alter Schwede, ich wiege 90 Kilogramm und der hebt mich hier einfach rauf... okay, vielleicht nicht ganz so einfach, aber ER HEBT MICH HIER DRAUF! Ich bin minütlich mehr beeindruckt von dem was er tut und davon, dass er sagt was er will und dass er es sich holt ohne zu fragen (natürlich immer darauf achtend wie ich reagiere) und diese Kombination macht mich gerade wirklich ziemlich an.
Er legt meine Beine um seine Hüften, drängt sich an mich und ich ziehe ihn zusätzlich an mich heran. Hin und wieder befürchte ich, aus dem Fenster zu fallen, deshalb nehme ich irgendwann wie Beine runter und rutsche von der Fensterbank - mit festem Boden unter den Füßen fühle ich mich deutlich sicherer. Etwas hektisch fummel ich an seiner Hose herum um sie aufzumachen ohne zu wissen wohin das noch führen soll. Vor einer Weile hatte Jan etwas von "Tür abschließen" gesagt aber ich dachte wozu, jetzt liegen doch eh alle im Bett. Ich weiß nicht ob wir zum äußersten gehen oder nicht, ich genieße einfach den Moment - so gut es geht. Der Alkohol hat mich zwar lockerer gemacht aber ich weiß immer noch, was ich tue. Nein, ich habe keine Ahnung was ich  hier gerade tue - alles was ich weiß ist, dass es sich gut anfühlt und dass ich nicht aufhören will so lange ich nicht muss.
Er hebt mich auf den Billiardtisch und ich denke, oh gott, mein rücken, gleich wird irgenwas KNACKS machen und ich werde hilflos wie ein Käfer auf diesem Tisch liegen bleiben. Aber das passiert zum Glück nicht. Ich liege auf dem Billardtisch, die Beine um Jan geschlungen, herummachend wie Teenies.

"HEILIGE SCHEIßE, WAS GEHT DENN HIER AB???"

Von einer Sekunde auf die andere fühle ich mich stocknüchtern. Jan ist einen Schritt zurückgegangen und zieht sich hektisch die Hose wieder an, ich bin vom Billardtisch hochgeschossen und heilfroh, dass ich nicht oben ohne dastehe.

"Was macht ihr da verdammt nochmal?"

"Wir haben nicht... Wir wollten nur ausprobieren..." stammelt Jan während ich die mindest ebenso dämlich Antwort "Gar nichts" von mir gebe.

"Wenn ihr Vögeln wollt, warum schließt ihr dann nicht die Tür ab?"

"Wir wollten ja nicht..." Jan bringt den Satz nicht zu Ende, wahrscheinlich weil ihm dasselbe durch den Kopf geht wie mir. Wir hätten womöglich irgendwann unseren letzten Rest Vernunft über Bord geschmissen, aber wie auch immer - das ist jetzt reine Spekulation. Der Abend ist beendet. Definitiv.

"Alter," spricht Jan nun unseren Besuch an, "wenn du auch nur ein Wort darüber verlierst, ich schwöre dir..."

"Macht euch mal locker, ich hab gar nichts gesehen. Ich plauder das nicht aus."

Ich lehne schweigend am Billardtisch, lasse meinen Blick von einem zum andern wandern und komme mir vor wie in einem schlechten Film. Jan wirkt ein wenig panisch während ich mich irgendwie leer fühle. Ich sollte ein schlechtes Gewissen haben und mehr Angst davor, dass uns diese Aktion ganz gewaltig um die Ohren fliegen wird, aber da ist nichts.

Wir sind wieder allein. Machen Musik und Fernseher aus, schließen ab und sitzen noch ein paar Minuten draußen auf der Bank.
"Hoffentlich hält er wirklich dicht. Ich trau ihm da nicht." sagt Jan und ich nicke zustimmend. Was das angeht traue ich niemandem.
Wir sprechen uns ein bisschen ab. Wer wo lang nach Hause fährt, dass wir nicht zusammen gegangen sind - alles irgendwie verzweifelte Versuche mit dem Schock des Erwischtwerdens klarzukommen während mir die ganze Zeit nur eine Frage im Kopf rumgeht.
"Jan?"
"Ja?"
"Wir hätten das nicht gemacht wenn wir nüchtern gewesen wären, oder?"
"Jedenfalls nicht weiter als so."
Das ist kein richtiges Nein und darüber hinaus ziemlich verwirrend. Schließlich haben wir im Laufe des Abends noch über Dinge gesprochen, die er eigentlich nicht wissen sollte. Er hat mich gefragt ob es stimmt, dass ich damals kurz davor war die Hochzeit abzusagen wegen ihm. Das muss ihn ziemlich beschäftigt haben, wenn er danach fragt, immerhin ist das drei Jahre her. Ich habe ihm wahrheitsgemäß geantwortet, nämlich dass er bei diesen Überlegungen zwar eine Rolle gespielt hat, es aber nicht allein seinetwegen passiert wäre. Außerdem hat er später noch gesagt, er wisse "aus einer sehr zuverlässigen Quelle" dass ich in meiner Ehe nicht glücklich sei. Dazu habe ich nichts gesagt, denn es gibt nur eine Person hier, mit der ich darüber gesprochen habe und ich habe mich in dem Moment einfach mehr verraten gefühlt.

Jetzt gehe ich aber erstmal ins Bett, letzte Nacht habe ich nämlich gerade mal eine Stunde geschlafen, auf dem Sessel im Wohnzimmer...
Ich muss noch ein paar Gedanken sortieren und werde mich dann wahrscheinlich hier nochmal weiter darüber auslassen...