ungebremst ins Chaos

26.07.2017 um 21:31 Uhr

Es gibt so Tage...

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

... an denen ich mich frage, ob ich nicht vielleicht der einzige halbwegs normale Mensch bin, der auf diesem Planeten herumläuft.

Montag war ich beim Orthopäden, also bei jemandem, der ja allein schon dadurch, dass er diese Berufsbezeichnung tragen darf, über eine gewisse Kompetenz in diesem Fachbereich verfügt... oder besser gesagt, verfügen sollte. Da saß ich also, mit meinen latenten Rückenproblemen, zum 4. Mal in seiner Praxis. Der "Facharzt" - strahlte, nach Krankengymnastik, Einlegesohle und ner Art Rückenstütze, eine gewisse Ratlosigkeit aus. Und bot mir Akupunktur an. Hallo? Nadeln + ich = keine gute Idee. Mal abgesehen davon, will ich ja erstmal wissen, WIESO ich seit einem Jahr Rückenprobleme habe. Worauf er mir dann erklärte, das sei eine sehr laienhafte Vorstellung.

WHAT???
Wenn ich von einem Arzt erwarte, dass er herausfindet, aus welchem Grund oder von mir aus auch aus welchen Gründen (denn O-Ton mein Arzt: "in ihrem Alter gibt es viele unterschiedliche Diagnosen") ist das doch wohl selbstverständlich und nicht weltfremd - oder habe ich falsche Erwartungen?
Wie soll ich den Mann denn noch ernst nehmen? Genau, gar nicht. Aber er hat mir eine Überweisung für ein MRT ausgestellt. Das nehme ich dann mal noch mit bevor ich mich auf die Suche nach einem kompetenten Orthopäden mache.

Und jetzt noch etwas Erheiterndes - oder besser gesagt etwas, das dazu führen wird, dass ich mir in Zukunft keine allzu großen Sorgen mehr machen werde, was meine Urteilsfähigkeit bezüglich des männlichen Geschlechts betrifft...

Dienstagabend. Ich Schäfchen sitze (nachdem ich 20 Minuten im Wartezimmer vor mich hin gewartet habe - echt, in meinem nächsten Leben werde ich Therapeut, dann ist mein merkwürdiges Verhalten selbsterklärend...) also mit meinem Therapeuten in diesen urgemütlichen Sesseln und erzähle von Jan. Es hilft ja nix, wenn ich auch nur ansatzweise wieder die Kontrolle über mein Gemütsleben, die Realität oder was auch immer ich sonst verloren habe dass es der Depressionskeule erlaubt hat, mich niederzuknüppeln, wiedererlangen will, müssen die Karten auf den Tisch. Für meine Offenheit wurde ich tatsächlich von meinem Therapeuten gelobt - und ich saß da und sprach aus was ich in dem Moment dachte "also, wenn ich ihnen DAS nicht erzählen kann, kann ich auch zu Hause bleiben und die Wand anstarren". Echt jetzt, der Mann soll mir schließlich helfen, da muss er doch die Fakten kennen. Aber ich schweife ab...
Naja, jedenfalls erzählte ich von Jan und dessen, mich verwirrenden Verhalten, und beobachte dabei, wie dieser gestandene promovierte Arzt und Psychotherapeut immer mehr aussieht wie jemand, der gerade im Fernsehen etwas total unglaubliches gesehen hat. Und höre ihn schließlich sagen: "Ich werde aus diesem Mann nicht schlau."

Willkommen in meinem Leben...

11.07.2017 um 21:28 Uhr

mittelschwer gestört

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Das ich gestört bin, ist ja nichts Neues. Aber auch nichts sonderlich beunruhigendes. Schließlich haben wir ja alle einen gewissen Grad an Irrsinn in uns, wobei der eine oder andere das wahrscheinlich anders benennen würden.

Ich halte nicht viel von Psychologen, Psychotherapeuten und ähnlich beruflich veranlagten Menschen, was auf persönlichen Erfahrungen beruht. Aber es gibt ja Momente im Leben, in denen sogar ich verzweifelt genug bin, meine pauschalen Vorurteile über den Haufen zu schmeißen und mich nochmal auf eine Couch (im übertragenden Sinne) zu begeben. Es reicht ja schließlich nicht, dass ich selber weiß, dass ich gestört bin und wieso ich gestört bin - ich brauche das schriftlich damit vielleicht mal einer meiner zahlreichen Reha-Anträge (die ich jetzt so lange ausfüllen werde, bis die Rentenversicherung mich erhört) durchgeht.
Nachdem ich also nach zweimonatiger Wartezeit dank zentraler Vergabestelle für Facharzttermine heute im Wartezimmer des Psychotherapeute saß, war ich nach einer halben Stunde schon so stinkig, dass ich einfach wieder gehen wollte. Ich meine, ich war die einzige in der ganzen Praxis mit einem Termin um 15.30 und werde da bis 16 Uhr sitzen gelassen. Naja, so hatte ich wenigstens Zeit genug, die wichtigsten Artikel im aktuellen "Spiegel" zu lesen. Natürlich bin ich nicht gegangen (und dafür eine halbe Stunde später als angesagt zur Arbeit gekommen, aber das nur am Rande) und wurde nach einer knappen Stunde gefragt, ob "wir uns denn wiedersehen sollen"

Echt jetzt, ich geh bestimmt nicht zu meinem Vergnügen zu einem Therapeuten - heißt, ich hole mir doch keinen Termin wenn ich nicht der Meinung wäre, ich hätte noch weitere nötig. Also antwortete ich mit einem "kann ja nicht schaden". Ich hoffe sehr, der Mann kommt mit meinem Humor klar.
Aber jetzt stellt sich mir folgende Frage: ist meine mittelschwere Gestörtheit nun der Grund, dass ich schon in zwei Wochen mit einer Therapie starte (wo hier die Wartezeit für Therapieplätze bis zu 2 Jahren beträgt) oder ist der Mann so eine Pfeife, dass die Patienten freiwillig selbst gesund werden statt sich von ihm therapieren zu lassen?

Ich werde es wohl herausfinden...

So, aber jetzt mal etwas Off-Topic.
Freitag bekam ich eine Nachricht von Juli. Ich war geneigt, ein paar Kreuze im Kalender zu machen, weil ich mich nicht daran erinnern kann, dass er jemals freiwillig grundlos nichtssagende Nachrichten der Marke "Gibts dich noch?" verschickt hat.
Das allein hätte ja schon gereicht um mir an einem eher mittelmäßigen Tag ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Doch er setzte noch einen drauf...
Ich: Wir sollten uns mal wieder treffen.
Juli: Okay... Swingerclub?

GRÖHL.
Mein Humor ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Yeah, ich habe einen positiven Einfluss auf die Welt *lol*