Der Himmel war stahlblau, kein Wölkchen
vermochte
den Blick der Sonne zu trüben. Ach, wie freute
ich mich,
von deren Strahlen liebkosen zu lassen, meinen
Schiurlaub
so richtig zu genießen. Doch der Schein war
trügerisch!
Ich, ungestüm wie noch nie, preschte talabwärts
und
alsbald
heftete sich ein gar rauer Geselle anbei. Ja, der
eisige Fahrtwind nahm mich in Beschlag,
versuchte mich
zu
packen, meine unbändige Lust zu bremsen.
Er drang durch die wohlig-warme Daunenjacke,
krallte
sich in meine Haut, zerschnitt scharf mein
Gesicht und
küsste
mich wild und unbeherrscht auf den Mund. Die
Lippen quollen auf und bluteten.
Oh, mit dem hatte ich wahrlich nicht gerechnet.
Da war
keine Sanftheit zu spüren, nur lodernde
Wildheit.
Anfangs,
total dieser Unberechenbarkeit ausgeliefert,
tränennass
mein Gesicht ob dieser Grobheit, kam ich
tags darauf zur Einsicht: je mehr ich mich
dagegenstellte,
den eisigen Klauen entfliehen wollte, desto
unwirscher
und fordernder wurde der unsanfte Geselle. Zwischendurch
einmal zu pausieren, von den Sonnenstrahlen, die
ja zu
genüge
vorhanden - zu tanken, ja das machte den
Fahrtwind
etwas sanftmütiger. Ich vermochte ihn ein wenig
zu dosieren, konnte ihn aber nicht ausbremsen.
Das wollte ich auch gar nicht, denn der
Fahrtwind hatte
mir
seine Kraft gezeigt, mich empfinden – spüren lassen …
@zartgewebt
Bildquelle: unbekannt