zurzeitverreist

27.11.2010 um 22:16 Uhr

Naechtliche Manoever

von: vera

Gestern, beziehungsweise heute moregn hatte ich zwei schoen Erlebnisse beim Ueberqueren des Flusses auf dem Weg nach hause. Als ich in der Nachmittagssonne das Boot loslegte, stand erwartungsvoll ein Hund am Steg. Also fuhr ich meinem Boot dicht dran, er stieg ein und stellte sich mit den Vorderbeinen auf die Vorderbank. So ueberquerten wir beide erhobenen Hauptes den Fluss. Davon haette ich gerne ein Foto. Aber ich werds auch so nicht vergessen.

Abends war ich auf einer Strandparty. Gegen vier oder fuenf brachten mich Freunde nach hause, das heisst bis zum Fluss. Da unser Boot auf der anderen Seite war, musste ich erst mit nem anderen rueber, bin dann in unseres, habe das andere angebunden, wieder zurueck, das fremde Boot anbinden und anschliessend mit unserem Richtung zuhause. Das Wasser war total ruhig, kein Mensch war da und alles war so schoen. Wenn ich nicht gerademit zwei Booten und rueckwaerts unterwegs bin, bin ich sogar schon ziemlich gut im Fluss ueberqueren. Schade eigentlich, dass ich naechste Woche umziehe. Ich werde mit einer Freundin zusammenwohnen, etwas naher bei der Uni, an einem anderen Starnd, Praia mole. In einer Familie wohnen ist eben doch was anderes, vor allem wenn es noch so abgeschieden ist.

Gerade habe ich mit Nora telefoniert. Das war schoen.

Fuehlt euch umarmt!

23.11.2010 um 23:36 Uhr

Bildliche Dokumentation

von: vera

Ich glaub, ich muss mir ein neues Weblog anlegen. Das mit den Fotos gestaltet sich schwierig...

Die OP von gestern hat uebrigens nicht hingehauen. Nach 11 Stunden wurde sie abgebrochen und das Stueck Oberschenkel in den Muell geschmissen. Der arme Operateur war ganz aufgeloest. Hat sonst anscheinend immer geklappt.

Mein Kopf brummt und ich hab vergessen, dass ich mich ja im Januar zum Examen melden muss. Alle meine Dokumente sind in Marburg...

Uiui.

23.11.2010 um 00:56 Uhr

Ein neues, altes Kapitel - Brasilien, die Dritte

von: vera

Und auch sonst darf mich ueber Langeweile nicht beklagen. Mein Praktikum in der Chirurgie beginnt werktags mehr oder weniger puenktlich um 8 und meistens geh ich so gegen 15 Uhr nach hause. Klingt etwas einfacher als es ist. Um naemlich zur Arbeit zu kommen muss ich zunaechst mit dem Boot, einem Gondoliero gleich, einen Fluss ueberqueren, dann eine Wiese mit gehoernten Stieren und Geiern kreuzen und 2 Busse nehmen bis ich nach einer knappen Stunde im Krankenhaus ankomme. Auf dem Rueckweg das gleiche Spiel, nur dass ich dann meist erstmal in Loris Tattoostudio geh und schau, was da so los ist. Und sobald ein kleiner Schwapp auf dem Wasser ist, geh ich surfen. Naja. Eigentlich eher paddeln, denn meine Bilanz ist noch ziemlich mau. Heute zum Beispiel kamen auf knapp 2 Stunden im Wasser etwa 2 1/2 Wellen. Das heisst bei mir ungefaehr 5 Sekunden. In der letzten Woche habe ich ein Kilo Muskelmasse an den Armen zugelegt. Mindestens. Wenn ich zurueckkomm seh ich aus wie Sly Stallone. Hoffentlich haengt mir nicht auch die Backe runter...                                         

                                                     Schnuten am Strand

Aber zurueck zum Praktikum. Bis jetzt ist es sehr unterhaltsam. Ich lerne vor allem praktisches. Wenn mein Schweinhund nicht so dick und gross und schwer waer, wuerde ich auch schon im Bus Chirurgiebuecher lesen und zuhause kreuzen. Aber mein Schweinehund ist gross und dick und schwer und Diaeten haelt er nicht ein. Letztens habe ich bei einer Magenverkleinerung assistiert. Ich werde das in erwaegung ziehen. Ich fuerchte allerdings Malcompliance auf seiten des Patienten. Naja. Aber ich schnipple fleissig malignomverdaechtige Muttermale weg und naehe wieder zu, oeffne eitrige Abszesse und stinkende Talgdruesen, befreie eingewachsene Zehennaegel und so weiter. Das mache ich dreimal die Woche nachmittags in der ambulanten Chirurgie, wo mich das Team inzwischen adoptiert hat. Vormittags durchlaufe ich verschiedene 2woechige Rotationen, momentan bin ich in der plastischen Chirurge. Allerdings sind diese Woche fast alle Anaesthesisten auf einem Kongress, weshalb es nur Eingriffe in Lokalanaesthesie gibt. Letzte Woche gab es zwar Anaesthesisten, aber die Direktion hat verboten zu operieren, weil die Saaele fuer Endoskopien freigehalten wurden, wiederum fuer einen Kongress am Wochenende. Also schon seit 2 Wochen Chirurgie auf Sparflamme und die Stationen sind so gut wie leer. Es gibt eh nur 5 Saeale, meist laufen hoechstens 3 aus Mangel an Personal und Ausstattung. Die Raeume werden von der Gynaekologie, der Viszeral-, Thorax-, Kopf/Hals- Gefaess und plastischen Chirurgie genutzt. Manchmal auch von der Derma, dann meist in Lokalanaesthesie. Ortho und Unfallchirurgie gibt es nicht, weshalb es auch bei meinen 2 Wochen auf der Notaufnahme recht lahm war. Nur manchmal akute Baeuche und flirtende Dottores... Im OP schau ich meistens nur zu, weil es meist an Assistenten und anderen Studis nicht mangelt. Aber wenn mann ein bisschen geiert, faellt auch mal ein Brocken Fleisch ab, was mich an die heutige Operation erinnert, eine Lappenplastik aus dem Oberschenkel zur Rekonstruktion des Gesichtes. Wahrscheinlich die einzige groessere OP diese Woche aus schon genanntem Grunde. Fing heute morgen um kurz vor 9 an. Um 5 bin ich nach hause, da war der Lappen leider weder vernaeht noch richtig an die Halsgefaesse angeschlossen. Waren trotz mikroskopischer Technik und Spezialisten aus São Paulo schwierige Verhaeltnisse. Arme Frau und armer Operateur.

 I have to go, es ist spaet geworden.

Auf bald!

08.10.2009 um 12:19 Uhr

Shake it Baby!

von: vera

Tanzen war grossartig! Heute wieder!

07.10.2009 um 14:39 Uhr

und endlich tanzen sie

von: vera

Nachdem ich glaube, den Kulturschock einigermassen ueberwunden zu haben ist inzwischen so viel passiert, dass ich keinen Anfang finde. Es ist jetzt vier 1/2 Wochen her, dass ich in Dakar gelandet bin, es war nicht immer einfach, manchmal war alles anstrengend und oft war alles seltsam  oder wunderbar anders. Zwischendurch hab ich geglaubt, ich scheitere hier mit meiner Anpassungsfaehigkeit und hatte das Gefuehl, die Leute hier einfach nicht verstehen zu koennen. Aber inzwischen sind die Weissen nicht mehr so weiss und die Schwarzen nicht mo so schwarz und ich fuehl mich wohler. Ich hab Leute mit denen ich meine Tage und Stunden verbringe, ich schlendere durch den Ort, koche mit den Frauen und trinke Tee, ich langweile mich, wenn mal wieder nur Wolof (ca. 90 % der Senegalesen gehoeren dem Volksstamm der Wolof an)gesprochen wird und ich nur ab und zu ein paar Worte versteh.
Die letzten zwei Wochen hatte ich dann auch deutsche Unterstuetzung, zwei Haueser weiter wohnte bis gestern Daniel, auch Famulant im Krankenhaus von St.-Louis. Seine Gastfamilie hat mich dann gleich adoptiert und jetzt bin ich eigentlich die oft dort, esse mit der Familie gemeinsam aus grossen Schuesseln am Boden, schaue mit ihnen fern, spiele mit den Kindern oder vielmehr sie mit mir. Wenn ich nicht bei der Familie bin, bin ich meistens im Ces Rasses, dank Frauke, die mir den Kontakt zu den Menschen vermittelt hat, die dort in ihrem kleinen Garten ein Atelier eingerichtet haben und dort vor allem entspannt leben. Ab und zu grillen wir, es wird viel getrommelt, Tee und anderes getrunken und die Frauen kommen zum Rauchen, was auf der Strasse verpoent ist.

 

Daniel und Tim (Besuch aus Deutschland) sind inzwischen Richtung Sueden abgereist, ich hab mich entschieden hier zu bleiben, jetzt, da alles nicht mehr so anstrengend ist. Eigentlich hatte ich mich schon verabschiedet. Als ich danach doch wieder aufgetaucht bin, hatte das gestern 4 Liebesbekenntnisse zur Folge, schliesslich bin ich ja geblieben, eindeutig ein Zeichen dafuer, dass diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Und das gleich viermal. Wenn hier Gleichberechtigung herrschte, wuerd ich mir das vielleicht nochmal ueberlegen, die Maenner duerfen ja auch bis zu 4 Frauen haben...


Mein Praktikum ist inzwischen rum und leider hab ich nicht so viel gelernt. Ich war drei Wochen auf der Geburtshilfe und nur eine auf der Paediatrie. Die Hebammen und Schwestern im Kreissaal haben natuerlich auch nur Wolof untereinander und mit den werdenden Muettern gesprochen. Und direkt angesprochen hat man mich weniger, wohl auch weil mein franzoesisch nicht so gut war und weil man nicht so recht wusste, welche Aufgaben man mir zuteilen sollte. Je nachdem, wer Dienst hatte, musste ich schon ziemlich hinterher sein, um mal was machen zu koennen. Es gab ein paar Leute im Kreissaal, die mir gerne was gezeigt haben und andere, die mich eher ignoriert haben. So hab ich auch ein paar Geburten machen koennen, eher aber hab ich mal Blutdruck und Puls gemessen, mal nen Katheter gelegt.
Frauke hatte mich ja schon vorgewarnt, und auch viele Senegalesen sagen, die Hebammen seien schlimm, was den Umgangston mit den Frauen angeht. Tatsaechlich war es oft nicht schoen mit anzusehen, wie die Frauen behandelt wurden. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass sie ihren Status verlieren, sobald sie durch die Tuer des Kreissaals und in die Geburtsmaschinerie eintraten. Manchmal gabs ein Riesengeschrei, weil die Frauen schreien, schreien die Hebammen zurueck und schlagen sich auch schon mal ins Gesicht, damit sie sich nicht so anstellen oder zwicken sie mit der Pinzette. Dann dazu noch das Kindergeschrei und mitten drin ich, stumm, wie im Film.

Die ersten 2 1/2 Wochen meines Aufenthalts hier war der Ramadan und eigentlich merk ich erst jetzt, was das bedeutet. Alles ist ein bisschen wuseliger, die Musik ist zurueckgekehrt, es werden TamTam-Abende auf der Strasse veranstaltet, die Leute feiern Hochzeiten, gehen abends weg und schuetteln die dumpfe Decke des Fastens von ihren Koerpern. Das ist schon recht lustig mit anzuschauen, vor allem bei den Trommelabenden, wo in einem grossen Kreis von Leuten die Trommler stehen. Abwechselnd treten verschiedene Leute (fast nur Frauen) vor sie um zu tanzen, ihre Beine in die Luft zu werfen oder manchmal auch mit den Hueften zu wackeln, danach dann aber schnell verschaemt wegrennen. So siehts zumindest aus. 

Heute nachmittag geh ich mit zu ner Tanzgruppe, von einer frechen Frau wurde mir schon voller Inbrunst mitgeteilt, dass sie mir das Tanzen beibringen werde. Dabei drueckte sie mir fest die Hand und nickte entschlossen mit dem Kopf. So denn, ich bin gespannt.

Time is up...

Und noch so wenig erzaehlt. Bis zum naechsten mal!