Nachdem ich glaube, den Kulturschock einigermassen ueberwunden zu haben ist inzwischen so viel passiert, dass ich keinen Anfang finde. Es ist jetzt vier 1/2 Wochen her, dass ich in Dakar gelandet bin, es war nicht immer einfach, manchmal war alles anstrengend und oft war alles seltsam oder wunderbar anders. Zwischendurch hab ich geglaubt, ich scheitere hier mit meiner Anpassungsfaehigkeit und hatte das Gefuehl, die Leute hier einfach nicht verstehen zu koennen. Aber inzwischen sind die Weissen nicht mehr so weiss und die Schwarzen nicht mo so schwarz und ich fuehl mich wohler. Ich hab Leute mit denen ich meine Tage und Stunden verbringe, ich schlendere durch den Ort, koche mit den Frauen und trinke Tee, ich langweile mich, wenn mal wieder nur Wolof (ca. 90 % der Senegalesen gehoeren dem Volksstamm der Wolof an)gesprochen wird und ich nur ab und zu ein paar Worte versteh.
Die letzten zwei Wochen hatte ich dann auch deutsche Unterstuetzung, zwei Haueser weiter wohnte bis gestern Daniel, auch Famulant im Krankenhaus von St.-Louis. Seine Gastfamilie hat mich dann gleich adoptiert und jetzt bin ich eigentlich die oft dort, esse mit der Familie gemeinsam aus grossen Schuesseln am Boden, schaue mit ihnen fern, spiele mit den Kindern oder vielmehr sie mit mir. Wenn ich nicht bei der Familie bin, bin ich meistens im Ces Rasses, dank Frauke, die mir den Kontakt zu den Menschen vermittelt hat, die dort in ihrem kleinen Garten ein Atelier eingerichtet haben und dort vor allem entspannt leben. Ab und zu grillen wir, es wird viel getrommelt, Tee und anderes getrunken und die Frauen kommen zum Rauchen, was auf der Strasse verpoent ist.
Daniel und Tim (Besuch aus Deutschland) sind inzwischen Richtung Sueden abgereist, ich hab mich entschieden hier zu bleiben, jetzt, da alles nicht mehr so anstrengend ist. Eigentlich hatte ich mich schon verabschiedet. Als ich danach doch wieder aufgetaucht bin, hatte das gestern 4 Liebesbekenntnisse zur Folge, schliesslich bin ich ja geblieben, eindeutig ein Zeichen dafuer, dass diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Und das gleich viermal. Wenn hier Gleichberechtigung herrschte, wuerd ich mir das vielleicht nochmal ueberlegen, die Maenner duerfen ja auch bis zu 4 Frauen haben...
Mein Praktikum ist inzwischen rum und leider hab ich nicht so viel gelernt. Ich war drei Wochen auf der Geburtshilfe und nur eine auf der Paediatrie. Die Hebammen und Schwestern im Kreissaal haben natuerlich auch nur Wolof untereinander und mit den werdenden Muettern gesprochen. Und direkt angesprochen hat man mich weniger, wohl auch weil mein franzoesisch nicht so gut war und weil man nicht so recht wusste, welche Aufgaben man mir zuteilen sollte. Je nachdem, wer Dienst hatte, musste ich schon ziemlich hinterher sein, um mal was machen zu koennen. Es gab ein paar Leute im Kreissaal, die mir gerne was gezeigt haben und andere, die mich eher ignoriert haben. So hab ich auch ein paar Geburten machen koennen, eher aber hab ich mal Blutdruck und Puls gemessen, mal nen Katheter gelegt.
Frauke hatte mich ja schon vorgewarnt, und auch viele Senegalesen sagen, die Hebammen seien schlimm, was den Umgangston mit den Frauen angeht. Tatsaechlich war es oft nicht schoen mit anzusehen, wie die Frauen behandelt wurden. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass sie ihren Status verlieren, sobald sie durch die Tuer des Kreissaals und in die Geburtsmaschinerie eintraten. Manchmal gabs ein Riesengeschrei, weil die Frauen schreien, schreien die Hebammen zurueck und schlagen sich auch schon mal ins Gesicht, damit sie sich nicht so anstellen oder zwicken sie mit der Pinzette. Dann dazu noch das Kindergeschrei und mitten drin ich, stumm, wie im Film.
Die ersten 2 1/2 Wochen meines Aufenthalts hier war der Ramadan und eigentlich merk ich erst jetzt, was das bedeutet. Alles ist ein bisschen wuseliger, die Musik ist zurueckgekehrt, es werden TamTam-Abende auf der Strasse veranstaltet, die Leute feiern Hochzeiten, gehen abends weg und schuetteln die dumpfe Decke des Fastens von ihren Koerpern. Das ist schon recht lustig mit anzuschauen, vor allem bei den Trommelabenden, wo in einem grossen Kreis von Leuten die Trommler stehen. Abwechselnd treten verschiedene Leute (fast nur Frauen) vor sie um zu tanzen, ihre Beine in die Luft zu werfen oder manchmal auch mit den Hueften zu wackeln, danach dann aber schnell verschaemt wegrennen. So siehts zumindest aus.
Heute nachmittag geh ich mit zu ner Tanzgruppe, von einer frechen Frau wurde mir schon voller Inbrunst mitgeteilt, dass sie mir das Tanzen beibringen werde. Dabei drueckte sie mir fest die Hand und nickte entschlossen mit dem Kopf. So denn, ich bin gespannt.
Time is up...
Und noch so wenig erzaehlt. Bis zum naechsten mal!